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Dennoch haben wir bei allen Großindustriellen die Klage
gehört, daß man in München die Bedeutung der gewerblichen
Großbetriebe allgemein unterschätze, obwohl die moderne In
dustrie zu einem der wichtigsten Faktoren in der großstädti
schen Entwicklung Münchens geworden ist. Die Stadt als Ver
waltungseinheit, als leistungsfähige Finanzkörperschaft wie als
Wirtschaftsgemeinschaft für die Befriedigung geistiger und ma
terieller Gemeinbedürfnisse, hat die Verpflichtung, die gewerb
liche Arbeit auch in Gestalt großkapitalistischer Anlagen nach
Möglichkeit zu unterstützen. Wenn wir uns heute die Frage
vorlegen, ob angesichts der stark zunehmenden Industriearbei
terbevölkerung in München überhaupt noch eine weitere Aus
dehnung der Großindustrie angestrebt werden soll, die ohne
dies mit Schwierigkeiten und Opfern verbunden ist, so muß die
Antwort trotzdem eine bejahende sein, weil die mit Sicherheit
in den nächsten Jahren zu erwartende Bevölkerungszunahme
ohne Zuhilfenahme der Industrie — und mit ihr verbunden, dem
Handel, nicht zu ernähren sein wird. Wir haben darauf schon
an anderer Stelle hingewiesen. München muß um der wirt-
sc haftlichen Seite willen, mit allen Mitteln versuchen, seine
Großindustrie sich zu erhalten und die Zahl der Betriebe noch
um vieles zu vergrößern; aber um den Charakter der Großstadt
als Kunst- und Fremdenstadt nicht zu schwer durch Anhäufung
seiner Industriebevölkerung zu schädigen, soll die Stadt um'der
sozialen Seite willen eine ausgiebige kommunale Sozialpolitik
und Wohlfahrtspflege treiben, um die Arbeiterbevölkerung fort
gesetzt zu heben. Man soll an dem Aufbau eines großstädtischen
Mittelstandes auf industrieller Basis teilnehmen und geeignete
Maßregeln ergreifen, um die einsetzende Klassenbewegung zu
fördern, welche dem Industrieangestellten und dem Arbeiter
einen besseren Platz in dem Gesamtorganisnius des Volks
körpers der Stadt zu erringen sucht. Die Überbrückung der
geschaffenen sozialen Gegensätze, die den Gemeinsinn der Be
völkerung zum Schaden der Stadt untergraben müssen, läßt
sich nur bewerkstelligen durch geeignete Sozialpolitik der Stadt
verwaltung, des Magistrats, welche in' einer dem Arbeiter gegen
über wohlwollenden Stellungnahme und in der Ausgestaltung
von Arbeitsvermittlungsstellen, Arbeitslosenunterstützung und
Fritz, München als Industriestadt. ||