82
den Standort beeinflußt. In Bayern selbst besteht keine solche
Fabrik, es fehlt die Konkurrenz; wir können deshalb diese
Industrie als rein konsumorientiertes Unternehmen bezeichnen.
Die große Arbeitermenge dient nicht zum Bedienen der
Maschinen. Es herrscht vielmehr in dem Unternehmen die
feinstdurchdachte Arbeitsteilung zwischen mechanisiertem
Handwerksbetrieb und der Maschinenarbeit. Die Maschine
scheidet, poliert, kanneliert, bohrt und leimt, aber die mecha
nische Arbeit des Nachreinigens, namentlich des Zusammen
setzens und des Lakierens bleibt der Menschenhand überlas
sen. So findet man in den großen Fertigpfriemereien und
Lakierwerkstätten der Fabrik die meisten Arbeiterkategorien
vereinigt.
Viel gemäßigter erscheint eine dritte Richtung der Möbel
industrie, welche sowohl einzelne in dem eigenen Zeichen
atelier entworfene Möbel von geschmacklich und technisch
denkbar höchster Qualität wie auch solche und vollständige
Wohnungseinrichtungen nach Wunsch oder direkter Angabe
seitens der Kunden hersteilen. Sie wird beherrscht von den
„Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst,
G. m. b. H.“ Sie liefern neben ganzen Zimmereinrichtungen
auch Polster- und Schreinermöbel in eigenen Werkstätten, wäh
rend die Vorhang- und Bezugsstoffe, Teppiche, Beleuchtungs
körper etc. sowie die Kleinkunst, aus Spezialbetrieben zum
größten Teil nach eigenen Entwürfen bezogen wird, wodurch
eine segensreiche Beschäftigung des Münchener Kleinhand
werkers erreicht wird. Der Betrieb, der erst 1901 mit 2 Ar
beitern gegründet wurde, ist auf der modernen kunstgewerb
lichen Bewegung aufgebaut. Gegenwärtig beschäftigt der Be
trieb in seinen Werkstätten 3 Werkmeister, 8 Zeichner, 62
Zuschneider, Polierer und Fertigmacher, 6 Maschinenarbeiter,
11 Tapezierer, 9 Näherinnen, 10—15 Ausgeher, Tagelöhner und
Packer. Es ist ein Stamm tüchtiger kunstgewerblicher Ar
beiter vorhanden, dank den Aufgaben, welche die Künstler
schaft schon frühzeitig auf kunstgewerblichem Gebiete gestellt
hatte. Da der Betrieb dafür bekannt ist, daß er ausschließlich
hochwertige Sachen herstellt, hat er genügend Angebote an
guten Arbeitskräften, unter denen sich sehr viele frühere Hand-