Full text: München als Industriestadt

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den Standort beeinflußt. In Bayern selbst besteht keine solche 
Fabrik, es fehlt die Konkurrenz; wir können deshalb diese 
Industrie als rein konsumorientiertes Unternehmen bezeichnen. 
Die große Arbeitermenge dient nicht zum Bedienen der 
Maschinen. Es herrscht vielmehr in dem Unternehmen die 
feinstdurchdachte Arbeitsteilung zwischen mechanisiertem 
Handwerksbetrieb und der Maschinenarbeit. Die Maschine 
scheidet, poliert, kanneliert, bohrt und leimt, aber die mecha 
nische Arbeit des Nachreinigens, namentlich des Zusammen 
setzens und des Lakierens bleibt der Menschenhand überlas 
sen. So findet man in den großen Fertigpfriemereien und 
Lakierwerkstätten der Fabrik die meisten Arbeiterkategorien 
vereinigt. 
Viel gemäßigter erscheint eine dritte Richtung der Möbel 
industrie, welche sowohl einzelne in dem eigenen Zeichen 
atelier entworfene Möbel von geschmacklich und technisch 
denkbar höchster Qualität wie auch solche und vollständige 
Wohnungseinrichtungen nach Wunsch oder direkter Angabe 
seitens der Kunden hersteilen. Sie wird beherrscht von den 
„Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, 
G. m. b. H.“ Sie liefern neben ganzen Zimmereinrichtungen 
auch Polster- und Schreinermöbel in eigenen Werkstätten, wäh 
rend die Vorhang- und Bezugsstoffe, Teppiche, Beleuchtungs 
körper etc. sowie die Kleinkunst, aus Spezialbetrieben zum 
größten Teil nach eigenen Entwürfen bezogen wird, wodurch 
eine segensreiche Beschäftigung des Münchener Kleinhand 
werkers erreicht wird. Der Betrieb, der erst 1901 mit 2 Ar 
beitern gegründet wurde, ist auf der modernen kunstgewerb 
lichen Bewegung aufgebaut. Gegenwärtig beschäftigt der Be 
trieb in seinen Werkstätten 3 Werkmeister, 8 Zeichner, 62 
Zuschneider, Polierer und Fertigmacher, 6 Maschinenarbeiter, 
11 Tapezierer, 9 Näherinnen, 10—15 Ausgeher, Tagelöhner und 
Packer. Es ist ein Stamm tüchtiger kunstgewerblicher Ar 
beiter vorhanden, dank den Aufgaben, welche die Künstler 
schaft schon frühzeitig auf kunstgewerblichem Gebiete gestellt 
hatte. Da der Betrieb dafür bekannt ist, daß er ausschließlich 
hochwertige Sachen herstellt, hat er genügend Angebote an 
guten Arbeitskräften, unter denen sich sehr viele frühere Hand-
	        
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