tag war, hatte man es zu verdanken, daß die Katastrophe keine Menschenleben
forderte. Da der Bergwerksbetrieb nunmehr unterbrochen war, wurden die
Salzlieferungen teilweise von dem kgl. Steinsalzbergwerk „Wilhelmsglück", teil
weise von dem privaten „Salzwerk Heilbronn" übernommen. Ein großer Teil
der plötzlich brotlos gewordenen Arbeiter wurde auf dem kgl. Bergwerk „Wil
helmsglück" eingestellt J ).
Im nächsten Jahr entschloß man sich nun zur Niederbringung eines neuen
Schachtes „König Wilhelm II." und zwar bei Kochendorf in unmittelbarer Nähe
von Friedrichshall. Durch ein besonderes Finanz-Gesetz vom 27. Dezember
1895 wurde für den neuen Schachtbau aus den Grundstocksmitteln ein Kosten-
vorschuß von 1^/2 Millionen Mark gewährt, welche Summe ans den späteren
Erträgen des Bergwerks zu tilgen war. Ein Finanzgesetz vom 27. Juli 1899
erweiterte dann diesen Kostenvorschuß auf 1850000 M. für den Schachtbau 2 ).
Die Arbeiten am Schachtbau erfuhren ganz gegen die Erwartung eine erheb
liche Verzögerung dadurch, daß es überaus schwierig war, die in großer Menge
auftretenden Wasser zu bewältigen. Wiederholt erklärte man in der württ.
Kammer die Wahl von Kochendorf für den Schachtbau als eine unglückliche.
Nach erheblichen großen Schwierigkeiten gelang es jedoch den Schacht durch die
wasserführende Schicht zu bringen und konnte hierauf die Inbetriebsetzung am
1. Dez. 1899 erfolgen^). Angaben über den einzelnen Bauaufwand bei dem
Schachtbau liegen in der Oeffentlichkeit nicht vor. Im Hauptfinanzetat 1901/03
wurde dann für die Erweiterung des Hafens in Friedrichshall ein Betrag von
10 000 Mk. und für die Aufstellung einer zweiten Fördermaschine bei den: Schacht
„König Wilhelm II." eine Summe von 40000 Mk. vorgesehen^). Die Ab
teufarbeiten des neuen Schachtes wurden hauptsächlich von dem gegenwärtigen
Leiter des kgl. Bergwerks Friedrichshall, Bergrat Bohnert geleitet. Nach dem
letzten Finanzetat 1907 war die Aufstellung einer zweiten Francisturbine ge
plant, für welche die Kosten 22 323,12 Mk. betragen").
Ueber den gegenwärtigen Stand der bergbaulichen Arbeiten im Kgl. Berg
werk Friedrichshall seien auf Grund eines im April 1909 erfolgten Besuches
des Verfassers nachstehende Mitteilungen gemacht. Wie schon bemerkt, handelt
es sich um Pfeilerbau, bei welchem die Pfeiler in Abständen zu 150 ra und in
einer Stärke von 15 in zu stehen kommen. Die Streckenbreite beträgt 6 in und
die Streckenhöhe etwa 4 in. Diese Maße lassen erkennen, daß das Begehen
dieser Strecken und der Aufenthalt in denselben bei ausgezeichneter Bewetterung
im Gegensatz zu manchen anderen bergbaulichen Verhältnissen etwas Genußreiches
an sich hat. Bei meinem Besuch waren die einzelnen Richtstrecken wie folgt
angefahren : Richtstrecke 1 etwa 450 in, Richtstrecke 2 etwa 500 in, Richtstrecke 3
etwa 530 in, Richtstrecke 4 etwa 470 m, Richtstrecke 5 etwa 150 m. Auf der
letzteren wurde in der Hauptsache abgebaut. Für die Bewetterung der Grube
dient ein Ventilator von 26—30 PS. Die Leistung der Fördermaschine, die
von der „Marienhütte" geliefert wurde, stellt sich auf 120 PS. Zwei Turbinen
besitzen zusammen eine maxiniale Leistung von 600 PS. Die Reserve-Maschine
1) Verhandlungen d. württ. Kammer, Jahr 1899. Veil.-Vd. 81, S. IX. 41.
2) Kgl. stat. Landesamt, Das Königreich Württemberg. I. Band 1904, S. 511.
3) Verhandlungen d. württ. Kammer, Jahr 1901. Beil.-Bd. 85, S. IX. 41.
4) Desgl. Jahr 1901/03. Beil.-Bd. 90, S. IX. 33.
5) Desgl. Jahr 1907. Haupt-Etat S. 685.