Full text: Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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ähnliche ungünstige wirtschaftliche Erscheinungen in der deutschen Salzindustrie 
geltend; bis dann das „Salinenkartell" eine größere Stetigkeit in den Preisstand 
des Salzes brachte. 
Die im Jahre 1885 zu beobachtende Zunahme in der Zahl der Salinen 
ist darauf zurückzuführen, daß in dieses Jahr die Inbetriebsetzung des „Salz 
werks Heilbronn" mit seiner neuen Saline fiel. Daß die amtliche Statistik für 
das Jahr 1898 und folgende nur noch fünf Salinen anführt, läßt sich nur so 
erklären, daß die Saline Friedrichshall niit der benachbarten Saline Clemens 
hall als eine Betriebseinhcit behandelt wurde. Tatsächlich stehen diese beiden 
königlichen Salinen seit längerer Zeit in Betriebsgemeinschaft. 
Die statistische Uebersicht II, welche die allgemeine „Salzproduktion in 
Württemberg" behandelt, läßt die bedeutenden Produktionsunterschiede hinsicht 
lich der Menge zwischen Steinsalz und Kochsalz klar erkennen. Beachtenswert 
ist die seit 1872 erfolgte Vervierfachung der Württembergischen Salzprodnktion. 
Unter Salzabfällen ist Schmutz- und Fegesalz, Pfannstein, Dornstein, Salz 
schlamm usw. zu verstehen. Dornstein ergibt sich als Rückstand bei den Gradier 
werken, der mehr Gips als Kochsalz in der Regel enthält. Diese Salzabfälle 
finden vorherrschend als Düngesalz Verwendung. Uebrigens sind Gradierwerke 
in der Württembergischen Salinenindustrie ausschließlich auf der Kgl. Saline 
Sulz vertreten, wo mit dem Gradieren hauptsächlich Heilzwecke verfolgt werden. 
Wir lassen nunmehr eine statistische Uebersicht über Belegschaft und For 
derung der württembergischen Salzbergwerke folgen: 
(S. die Tabelle auf S. 17.) 
Hinsichtlich der bergbaulichen Salzgewinnung in Württemberg gilt in bezug 
ans die Zunahme der geförderten Gesamtmenge dasselbe, was soeben bei der 
Salinenprodnktion ausgeführt wurde. Die von 1871 bis 1884 angegebenen 
zwei Salzbergwerke beziehen sich auf das Kgl. Salzbergwerk „Friedrichshall" 
und das Kgl. Salzbergwerk „Wilhelmsglück" bei Schwähisch-Hall. Im Jahre 
1885 tritt dann, wie auch statistisch zum Ausdruck gebracht, das große private 
Salzbergwerk Heilbronn hinzu. Im weiteren Verlauf scheidet dann im Jahre 
1901 das Kgl. Salzbergwerk „Wilhelmsglück" infolge Stillegung aus. Die 
Rubrik: „Nach Abzug des aufgelösten Salzes" ist dahin zu verstehen, daß cs 
sich hier um die restliche Steinsalzmenge handelt, die nicht durch Auflösung und 
Versiednng zu Kochsalz verarbeitet wurde. Der Tonnenpreis für das Steinsalz, 
der in den 70er Jahren seinen höchsten Stand unter den, Einfluß einer an sich 
günstigen wirtschaftlichen Entwicklung hatte, erweist sich aber dann stark dem 
entgegengesetzten ungünstigen wirtschaftlichen Rückgang unterworfen. Anderseits 
ist der im Jahre 1898 je erreichte niedrigste Tonnenpreis für Steinsalz von 
3,80 M. eine Folge der 1897 aufgelösten „Süddeutschen Salinenvereinigung", 
welche Auflösung einen rücksichtslosen Konkurrenzkampf aller deutschen Salinen 
untereinander brachte. Vom Jahre 1900 ab, dem Gründungsjahr der „Deut 
schen Salinenvereinigung", sehen wir dann im Steinsalzpreis auf der Grund 
lage kartellmäßiger Verabredung eine gewisse planmäßige Stabilität eintreten, 
die wohl auch für die nächste Zukunft ihres Fortbestehens sicher ist. 
Im Anschluß hieran wollen wir nunmehr auf die Arbeitsverhältnisse der 
württembergischen Salzindustrie etwas eingehen. Allgemein muß gesagt werden, 
daß es sich hier um eine nicht sehr zahlreiche Arbeiterschaft handelt, denn der 
württembergische Salzbergbau und das Salinenwesen beschäftigte im Jahre 1906
	        
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