81
'Hallerden-Schacht, welche stündlich etwa 1000 Maß lieferte. Um dieselbe Zeit
besaß die Saline zwei alte und fünf neue Gradierhäuser. Das älteste Gradier
werk wurde im Jahre 1738 erbaut; das zweite Gradierwerk hatte man gänzlich
außer Betrieb gesetzt. Die neueren Gradierhäuser hatten eine Länge von 900
bis 1100 Fuß. Die Gradierhäuser standen in unmittelbarer Nähe des Neckars.
Im Jahre 1788 befanden sich insgesamt 3^/z Gradierhäuser im Betrieb. Bon
den Gradierwerken führte man die Sole mittels Röhrenleitung in das Siede
haus, welches mit einer kupfernen und einer eisernen Siedepfanne ausgerüstet
war. Die Dimension der eisernen Pfanne betrug 22 Fuß lang, 8 Fuß breit
und 1 Fuß hoch; die kupferne Pfanne zeigte dieselben Maße, nur betrug die
Länge hier 10 Fuß. Die Oefen besaßen eine Länge von 30 Fuß mit durch
gehender Feuerung unter beiden Pfannen. Außerdem bediente man sich kleiner,
sogenannter Setzpfannen, in welchen vornehmlich die Fabrikation des Viehsalzes
erfolgte. Die Sudzeit der Solen betrug in der Regel 6 Tage, nur die Sole
ans dem hintersten Gesenke erforderte eine Sudzeit von 12—14 Tagen. Ander
seits wurden in der Sommerszeit oft 11 bis 14 Sudprozesse durchschnittlich im
Monat ausgeführt. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts brachte man mehrere
Schächte auf den oberen Solenstrich nieder, die anfangs mit einem gewissen
Erfolge Sole ergaben, später aber so im Gehalt nachließen, daß es unlohnend
wurde, sie weiter zu benutzen. Im Jahre 1818 begann man mit dem Abteufen
des vorderen tiefen Gesenkes, das man bis auf den Muschelkalk trocken nieder
brachte. Die poröse Schicht des Muschelkalkes ergab dann eine Sole, die in
24 Stunden nicht mehr als 120 Kubikfnß 3 prozentigen Gehaltes ergab. Nach
deut man die roten Tonflöze durchsunken hatte und das Bohrloch noch 30 Fuß
im roten Sandstein weitergeführt wurde, stellte man die Arbeiten als erfolglos
ein. Man hatte beabsichtigt, diesen Schacht ntit dem 800 Fuß entfernten neuen
hinteren Gesenke mittels einer Strecke zu verbinden, um so alle Solen von
dem alten und neuen hinteren im neuen vorderen Gesenke heben zu können.
Unter Beobachtung jeglicher Vorsicht ivollte man dann eine 6 Fuß mächtige
Gipsschicht auslaugen, die sich in den oberen Lagen des Muschelkalkes befand.
Dieser Plan mißlang jedoch, da ein zu früher Anbruch der oberen Solen er
folgte, die mit 1^/j°/o Gehalt angehauen wurden. Die oberen Solen traten
bald in so großer Menge ans. daß sie den Schacht unter Wasser setzten, wodurch
alle Abteufarbeiten, die bereits auf 325 Fuß gediehen ivaren, vernichtet wurden.
Das Auftreten der Wasser im vorderen tiefen Gesenke hatte eine auffallende Zu
nahme der Sole im hinteren alten Gesenke zur Folge, sodaß auch diese nicht
mehr zu bewältigen war. Das Ersaufen des Schachtes führte weiter zu dem
schwerwiegenden Verlust, daß auch der neue Hallerden-Schacht unter Wasser ge
setzt wurde, wodurch die Produktion des Hallerden-Materials eingestellt werden
mußte.
Bon Interesse dürften einige Daten über die jeweiligen Produktionsleistun
gen der Saline Sulz in den verschiedenen Zeiträumen sein 1 ). So betrug die
jährliche Produktion um das Jahr 1571 rund 6000—6500 Ztr., um 1568
noch 14 850 Ztr., um das Jahr 1594 bei dreigradiger Sole etwa 9000 Ztr.,
um 1626 etwa 5600 Ztr., 1627 etwa 10 350 Ztr., 1633 etwa 8550 Ztr.,
1) Kgl. statist. topoar. Bureau, Beschreibung des Oberamts Sulz... Stuttgart
1863, Seite 118 f.
Neumann, Salzbergbau und Salinenwesen in Württemberg. ft