Full text : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

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'Hallerden-Schacht,  welche  stündlich  etwa  1000  Maß  lieferte.  Um  dieselbe  Zeit
besaß  die  Saline  zwei  alte  und  fünf  neue  Gradierhäuser.  Das  älteste  Gradierwerk ­
  wurde  im  Jahre  1738  erbaut;  das  zweite  Gradierwerk  hatte  man  gänzlich
außer  Betrieb  gesetzt.  Die  neueren  Gradierhäuser  hatten  eine  Länge  von  900
bis  1100  Fuß.  Die  Gradierhäuser  standen  in  unmittelbarer  Nähe  des  Neckars.
Im  Jahre  1788  befanden  sich  insgesamt  3^/z  Gradierhäuser  im  Betrieb.  Bon
den  Gradierwerken  führte  man  die  Sole  mittels  Röhrenleitung  in  das  Siedehaus, ­
  welches  mit  einer  kupfernen  und  einer  eisernen  Siedepfanne  ausgerüstet
war.  Die  Dimension  der  eisernen  Pfanne  betrug  22  Fuß  lang,  8  Fuß  breit
und  1  Fuß  hoch;  die  kupferne  Pfanne  zeigte  dieselben  Maße,  nur  betrug  die
Länge  hier  10  Fuß.  Die  Oefen  besaßen  eine  Länge  von  30  Fuß  mit  durchgehender ­
  Feuerung  unter  beiden  Pfannen.  Außerdem  bediente  man  sich  kleiner,
sogenannter  Setzpfannen,  in  welchen  vornehmlich  die  Fabrikation  des  Viehsalzes
erfolgte.  Die  Sudzeit  der  Solen  betrug  in  der  Regel  6  Tage,  nur  die  Sole
ans  dem  hintersten  Gesenke  erforderte  eine  Sudzeit  von  12—14  Tagen.  Anderseits ­
  wurden  in  der  Sommerszeit  oft  11  bis  14  Sudprozesse  durchschnittlich  im
Monat  ausgeführt.  Mit  Beginn  des  19.  Jahrhunderts  brachte  man  mehrere
Schächte  auf  den  oberen  Solenstrich  nieder,  die  anfangs  mit  einem  gewissen
Erfolge  Sole  ergaben,  später  aber  so  im  Gehalt  nachließen,  daß  es  unlohnend
wurde,  sie  weiter  zu  benutzen.  Im  Jahre  1818  begann  man  mit  dem  Abteufen
des  vorderen  tiefen  Gesenkes,  das  man  bis  auf  den  Muschelkalk  trocken  niederbrachte. ­
  Die  poröse  Schicht  des  Muschelkalkes  ergab  dann  eine  Sole,  die  in
24  Stunden  nicht  mehr  als  120  Kubikfnß  3  prozentigen  Gehaltes  ergab.  Nachdeut ­
  man  die  roten  Tonflöze  durchsunken  hatte  und  das  Bohrloch  noch  30  Fuß
im  roten  Sandstein  weitergeführt  wurde,  stellte  man  die  Arbeiten  als  erfolglos
ein.  Man  hatte  beabsichtigt,  diesen  Schacht  ntit  dem  800  Fuß  entfernten  neuen
hinteren  Gesenke  mittels  einer  Strecke  zu  verbinden,  um  so  alle  Solen  von
dem  alten  und  neuen  hinteren  im  neuen  vorderen  Gesenke  heben  zu  können.
Unter  Beobachtung  jeglicher  Vorsicht  ivollte  man  dann  eine  6  Fuß  mächtige
Gipsschicht  auslaugen,  die  sich  in  den  oberen  Lagen  des  Muschelkalkes  befand.
Dieser  Plan  mißlang  jedoch,  da  ein  zu  früher  Anbruch  der  oberen  Solen  erfolgte, ­
  die  mit  1^/j°/o  Gehalt  angehauen  wurden.  Die  oberen  Solen  traten
bald  in  so  großer  Menge  ans.  daß  sie  den  Schacht  unter  Wasser  setzten,  wodurch
alle  Abteufarbeiten,  die  bereits  auf  325  Fuß  gediehen  ivaren,  vernichtet  wurden.
Das  Auftreten  der  Wasser  im  vorderen  tiefen  Gesenke  hatte  eine  auffallende  Zunahme ­
  der  Sole  im  hinteren  alten  Gesenke  zur  Folge,  sodaß  auch  diese  nicht
mehr  zu  bewältigen  war.  Das  Ersaufen  des  Schachtes  führte  weiter  zu  dem
schwerwiegenden  Verlust,  daß  auch  der  neue  Hallerden-Schacht  unter  Wasser  gesetzt ­
  wurde,  wodurch  die  Produktion  des  Hallerden-Materials  eingestellt  werden
mußte.
Bon  Interesse  dürften  einige  Daten  über  die  jeweiligen  Produktionsleistungen ­
  der  Saline  Sulz  in  den  verschiedenen  Zeiträumen  sein  1 ).  So  betrug  die
jährliche  Produktion  um  das  Jahr  1571  rund  6000—6500  Ztr.,  um  1568
noch  14  850  Ztr.,  um  das  Jahr  1594  bei  dreigradiger  Sole  etwa  9000  Ztr.,
um  1626  etwa  5600  Ztr.,  1627  etwa  10  350  Ztr.,  1633  etwa  8550  Ztr.,

1)  Kgl.  statist.  topoar.  Bureau,  Beschreibung  des  Oberamts  Sulz...  Stuttgart
1863,  Seite  118  f.
Neumann,  Salzbergbau  und  Salinenwesen  in  Württemberg.  ft
            
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