454
Serbien. Textilindustrie.
Im Inlande gewonnene Rohstoffe.
Im Inlande wurden folgende Rohstoffe gewonnen:
7600 t rohe Wolle im ungefähren Werte von 12,1 Mill. Mk.
7211 Flachs „ „ „ „ o,S „ „
362 t Kokons „ „ „an Seide von . . . . 1,0 „
13,6 Mill. Mk.
Wolle. Die Schafzucht ist in Serbien nicht unbedeutend und die
gewonnene Wolle wird fast ganz im Inlande verarbeitet.
Flachs. Die Flachsgewinnung wird erst in den letzten Jahren stärker
gefördert. Nach dem Annuaire internationale de statistique agricole Rome
betrug der Ertrag an Leinenfaser
1909/10 1910/11 1911/12
3861 7211 9481
Seide. Die Seidenkultur ist ebenfalls erst in der Entwickelung begriffen.
Das deutsche Konsulat in Belgrad berichtet darüber wie folgt J ):
Für die Züchtung von Seidenraupen sind in Serbien alle Vorbedingungen
vorhanden. Im Jahre 1910 waren allerdings hierin keine günstigen Erfolge zu
verzeichnen. Im ganzen wurden 1910 den Raupenzüchtern von der unten er
wähnten Seidenkulturgesellschaft 362016 kg Kokons abgekauft.
Der gesamte Handel mit roher Seide und der Aufkauf der Kokons liegt
in den Händen der im Jahre 1900 gegründeten Seidenkulturgesellschaft, welche
die gewonnene Seide fast ausschließlich nach Italien ausführt. Die der Gesell
schaft seinerzeit erteilte Konzession wurde im Jahre 1909 auf 20 Jahre verlängert
und ihr dadurch das ausschließliche Recht des Aufkaufs der in Serbien erzeugten
Seide auf lange Zeit zugesichert. Die Gesellschaft ist auch verpflichtet worden,
eine Seidenspinnerei zu errichten.
Produktion der Textilindustrie Serbiens.
Die Baumwollindustrie. Es existiert nur eine größere Baumwollspinnerei
in Nisch (1911 errichtet), die mit 3200 Spindeln arbeitet und hauptsächlich
Strickgarne von Nr. 6 bis 24 für die Hausindustrie herstellt 2 ). Außerdem wurde
eine Abfallspinnerei mit 800 Spindeln einer Belgrader Weberei angegliedert.
Die Anzahl der Baumwollwebereien, die gleichzeitig auch Leinen weben, ist
eine größere. In Belgrad wurde eine Weberei mit 200 Webstühlen errichtet,
die gleichzeitig auch Bleicherei und Druckerei betreibt. Eine zweite Baum
wollweberei wurde in Uzice errichtet. In dieser laufen etwa 130 Webstiihle.
Erzeugt werden Baumwoll- und Leinengewebe in weißer und bunter Ware.
Leskovac besitzt eine Baumwoll- und Leinenweberei mit 220 Webstühlen;
ferner hat Nisch eine mechanische Weberei mit 150 Webstühlen. Trikotagen-
fabriken, wenn auch geringeren Umfangs, sind mehrere vorhanden. Auch in
J ) Nachrichten für Handel und Industrie 1911, Heft 109.
s ) Die Daten entstammen zum Teil einer Veröffentlichung von Dr. Herrmann v. Sauter
im österr. „Handelsmuseum“, Wien 1911.