Full text: Der Pommersche Landbund

Sprengung des alten Reiches und der alten Staatsverhältnisse. 149 
Zerstörung konnte dem Reiche am Ende des 18. Jahr⸗ 
hunderts eigentlich nur von Westen her kommen. Denn im 
Osten war, wir wissen es, die Gefahr eines Angriffes in den 
ersten zwei Dritteln etwa der Dauer des Reiches immer ge— 
ringer geworden: den Hunnen⸗ und Magqyareneinfällen war 
im 13. Jahrhundert ein letzter Vorstoß der Mongolen gefolgt, 
um schon an der Grenze abzuprallen: seitdem waren die alten 
Gefahren des Einfalls unzivilisierter Völker verschwunden. 
Und der neueren Angriffe, wie sie von Türken und Schweden 
ausgingen, hatte man sich schließlich auch noch glücklich erwehrt; 
wer aber würde im 18. Jahrhundert schon an eine russische 
Invasion in das gesamte Deutschland ernstlicher gedacht haben, 
wenn auch schon russische Truppen bis Holstein und Branden— 
burg gekommen waren und die russische Gefahr gelegentlich in 
die Berechnung der Kabinette eintrat? 
Im Westen dagegen war die Bedrohung der Grenze durch 
Frankreich seit dem 13. Jahrhundert fast ständig gewachsen; 
längst mußte man sie als chronisches Übel betrachten. Dennoch: 
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hat man mit ihr 
vielleicht am wenigsten gerechnet; zu jäh waren seit Ludwig XV. 
die Franzosen von der Höhe ihres kriegerischen Ruhmes herab⸗ 
gesunken, so daß man seit Roßbach ihre Kraft in Deutschland 
sogar zu unterschätzen pflegte. So dachte man denn gerade in 
dieser Zeit gar nicht daran, gegen sie gerüstet zu sein. 
Es war eine Lage, die kaum Bestand haben konnte, 
nachdem die Revolution in Frankreich gesiegt hatte. Freilich 
war diese an sich nicht kriegerisch; noch lange Zeit hin— 
durch lebten in den Kreisen ihrer Führer wenigstens teilweis 
kosmopolitische Ideale; und ihre ersten Heere und Generäle 
waren alles andere als furchtbar. Aber einmal gereizt, trugen 
die republikanischen Massen wie ihre Leiter die ungeheure 
Macht der Propaganda für den republikanischen Gedanken in 
sich; und bald wurde diese Macht auch zu dem andern Zweck 
über die Grenzen gewandt, um innere Schwierigkeiten und 
steigendes Unbehagen, wenn nicht volle Ratlosigkeit durch aus— 
wärtige Erfolge zu verdecken.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.