Full text : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Besitz  als  Einkommensquelle.

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zum  Leben  und  begehrt  nichts  mehr,  wie  etwa  bei  einem  primitiven ­
  Ackerbauvolke,  da  wird  sich  ein  Besitzeinkommen  dieser  Art
nicht  entwickeln  können.
Innerhalb  -er  Ackerbauvölker  selbst  vollziehen  sich  solche  s  o  -
ziale  Schichtungen  freilich  zeitig;  schon  irrt  deutschen
Mittelalter  steht  neben  dem  großen  wie  dem  kleinen  Landbesitzer
der  Landlose.  Doch  führen  der  verhältnismäßig  niedrige  Stand  der
materiellen  Gesamtkultur  wie  die  politischen  Verhältnisse  im
wesentlichen  nicht  zur  Bildung  von  Großbetrieben;  vielmehr  tut
der  Landbesitzer  sein  Land  an  selbständig  wirtschaftende ­
  Bauern  aus,  die  ihm  Abgaben  in  Naturalien
zahlen.  Damit  ist  ein  reines  Besitzeinkommen  geschaffen,  das  durch
die  politische  und  int  späten  Mittelalter  bis  zur  Neuzeit  auch  rechtliche ­
  ribhängigkeit  der  Bauern  allerdings  eine  besondere  Färbung
erhält.  In  der  Gegenwart,  wo  der  Landbauer  völlig  frei  ist,  zeigt
die  Pachtung  das  klarste  Beispiel  einer  völligen  Trennung
zwischen  Kapital,  d.  h.  Bodenbesitzer  und  Produzenten;  der  Verpächter ­
  bezieht  sein  Einkommen  ohne  jede  Arbeit,  aus  die  bloße
Tatsache  des  Besitzes  hin.
In  unserer  Zeit  ist  jeder  Besitz,  sei  cs  Grund  und  Boden,  Maschitten
  oder  Inventar  oder  Forderungsrechte,  in  Geldsummen,
ausdrückbar;  die  Leihgebühr  für  alle  diese^  Kapitalformen  können
wir  verschieden  benennen.  Beim  Grundbesitz  sprechen  wir  votr
Pacht,  bei  städtischem  Grundbesitz  von  Miete,  bei  Geldkapital  von
Zins.  In  allen  diesen  Fällen  aber  handelt  es  sich  um  arbeitsloses ­
  Einkommen  aus  der  bloßen  Tatsache  des  Besitzes  von  Kapital ­
  im  weiteren  Sinne  (d.  h.  Vermögenswerten).  Der  Ausdruck
Renten-  oder  Zinseinkommen  umfaßt  diese  sämtlichen ­
  Ginkommensarten.
Das  Phänomen  des  arbeitslosen  Kapitaleinkommens,  des  Zinses, ­
  hat  die  Wissenschaft  zu  allen  Zeiten  lebhaft  beschäftigt.  Unter
den  zahllosen  Zinsthorien  führen  wir  nur  wenige  an.  wir
wissen,  daß  die  phvsiokraten  einen  wirklichen  Ertrag  nur  dem
landwirtschaftlich  benutzten  Boden  zuschrieben.  21  uf  dieser  Vorstellung ­
  baut  sich  die  sogenannte  Fruktifikationstheorie  Turgots
auf.  Er  setzte  auseinander,  daß,  da  jeder  Grundstücke  erwerben
könnte,  eine  Kapitalausleihung  für  andere  Zwecke  ohne  entsprechende ­
  Verzinsung  Verlust  bedeuten  würde  und  deshalb  der
Kapitalentleiher  diesen  Verlust  durch  die  Zinszahlung  ersetzen
müsse.  Derselbe  Gedanke  ist  in  der  modernen  Bodenreform-
            
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