Wechselzinssätze, Grundrente.
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mehr Anlagekapital zu als der jüngere Industriestaat Deutsch
land anzuziehen vermochte.
Neben diesen allgemeinen Sätzen der Zinsbildung werden bei
einzelnen Kapitalanlagen .noch deren Besonderheiten
wirksam. Dies gilt vor allem von der B o d e n- o d e r Grund
rente, also dem Einkommen, das sich aus der bloßen Tatsache
des Besitzes von Boden ergibt. Der Boden hat die Eigentümlich
keit, daß er nicht vermehrbar ist; er gibt also seinem Besitzer ein
gewisses Monopol, während man Fabriken bauen kann, so viel
anan will, ist etwa der Umfang des Rübenbodens in Deutschland
oder der an eine Geschäftsstraße stoßenden Grundstücke beschränkt.
Ls ist also entweder die Qualität oder d i e Lage eines
Grundstückes, die ihm seinen Mehrwert verschafft.
wir machen uns dies noch klarer, wenn wir einmal denken,
daß der Boden — es soll jetzt von Ackerland die Rede sein — zu
nächst herrenlos ist, wie in einem Koloniallande, und nun ven
Ansiedlern ohne Entgelt okkupiert wird. Die Neusiedler werden
sich selbstverständlich den fruchtbarsten Boden aussuchen. Kommt
damr eine zweite Schar oder wachsen die Kinder heran, so müssen
auch die weniger fruchtbaren Böden bestellt werden. Diese bringen
■ eine geringe Ernte als die besseren, obgleich sie denselben Auf
wand an Arbeit und Betriebskapital verlangen. Man kann es
auch so ausdrücken, daß die Besitzer der geringeren Böden, um die
gleiche Ernte zu erzielen wie die der besseren, mehr Betriebs
kapital (in Gestalt von Kunstdünger, Bewässerungs--oder Lirt-
wässerungsanlagen, tieferen pflügen usw.) aufwenden müssen
als jene; eine Tonne Weizen zu produzieren kostet also vielleicht
den einen (50, den anderen nur (20 Ji. Da nun auf die Dauer
aber die Getreidexreise mindestens die Selbstkosten der Produk
tion decken müssen — eine entsprechende Nachfrage selbstverständ
lich vorausgesetzt — werden sie wenigstens f 50 Jl (zuzüglich
eines Zuschlages als Unternehmergewinn^ betragen müssen. Der
Besitzer des besseren Bodens verdient demgemäß an jeder Tonne
Weizen 30 Ji, nur auf die Tatsache seines Besitzes hin, ohne jede
Arbeit seinerseits. Diese Differonzrente der Qualität
hat namentlich Ricardo sehr scharf betont. Unser deutscher
Forscher I. tz. von T h ü n e n zeigte dann, daß das gleiche für
eine verschiedene Lage zutrifft.
Nehmen wir wieder zwei Landwirte, die diesmal auf Boden
von ganz gleicher Qualität wirtschaften sollen; die Selbstkostsn