Die psychologische Methode. (7
leicht nicht zum wenigsten deshalb, weil sie eine Befreiung von
der einseitigen politischen Richtung der klassischen Schule be
deuteten. Immerhin war es der historischen Methode nicht ge
lungen, das Lrkenntnisbedürfnis restlos zu befriedigen. Dte
historische Schule hat den unabsehbaren Tatsachenstoff nicht so zu
bewältigen vermocht und wird dies niemals können, daß sie aus
ihm ein lückenloses System der Wirtschaft aufzubauen imstande
wäre; zu einer solchen Synthese ihrer Ergebnisse hat sie kaum
den versuch gemacht. Aber nicht nur diese Unfähigkeit zur System
bildung hat eine Gegenerschaft auf den plan gerufen, sondern
noch mehr vielleicht das aus einer anderen Geistesartung ent
springende Bedürfnis rein abstrakten Denkens. So hat die theo
retische Richtung eine Auferstehung erfahren und beginnt schon
fast, die „historische" zurückzudrängen. Die österreichische
Schule, wie sie nach ihren tzauxtoertrctern' im deutschen
Sprachgebiet genannt wird, ist keineswegs in sich einheitlich, außer
in der Forderung, der theoretischen Betrachtung Raum zu schaffeir.
Der eine Zweig, der allerdings hauptsächlich im Auslande blüht, -
hat nichts Geringeres vor, als den Schlüffen der ökonomischen
Theorie die Sicherheit der exakten mathematischen Be
weisführung zu verleihen. Einen solchen versuch hat bei
spielsweise S ch u m x e t er gemacht, indem er die Aufgabe der
reinen Ökonomie in der Untersuchung der Funktionalbeziehungen
der Güterquantitäten unter Voraussetzung eines Gleichgewichts
zustandes sucht. Diese objektiv-quantitative Problemstellung steht
im schärfsten Gegensatze zu der herrschenden Richtung innerhalb
der Wiener Schule, die ihre Vertreter als die „psychologische
Methode" charakterisieren. Damit ist nicht etwa gemeint, daß
diese Theorie von der wissenschaftlichen psvchologie ausginge. Sie
legt vielmehr Wert darauf, zu betonen, daß sie ihre Beobachtungen
über das menschliche Innere selbständig mache, oder, wie ihr
jetziger Führer v. W i e s e r es ausdrückt, den Inhalt der gemeinen
wirtschaftlichen Erfahrung wisseuschaftlich auszuschöpfen und zu
deuten sich zur Aufgabe gemacht habe. Das Bewußtsein der wirt
schaftenden Menschen biete einen Schatz von Erfahrungen, die
jedermann besitze; dies seien teils äußere Tatsachen wie das Da
sein der Güter, teils innere wie die menschliche Bedürftigkeit. Der
Umfang der Wirtschaftstheorie reiche genau so weit, wie diese
gemeine Erfahrung. Die Aufgabe des Theoretikers ende immer
dort, wo die gemeine Erfahrung endige und wo die Wissenschaft
WvgodzinSKI, Slntütmmg in bie BolKSwirUchaftslehri.
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