Metadata : Gesellschaftslehre

Die Ausdruckstätigkeit.

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um ihren Leib schlangen®). Die Verhaltungsweise richtet sich allgemein
auf alles, was irgendwie wertvoll oder förderlich ist. Sie besteht in dem
Trieb, dasjenige, was sich einmal irgend als förderlich bemerklich gemacht
hat, dauernd festzuhalten. Sie gehört zu den charakteristischen Vorzügen
 des Menschen vor den Tieren und hat schon die Anfänge der Kultur
 wesentlich beeinflußt. Die Anfänge der Werkzeugtätigkeit z. B. sind
ohne diesen Trieb nicht zu begreifen. Eine gelegentliche Verwendung
einzelner Gegenstände im Sinne eines Werkzeuges finden wir schon bei
einzelnen Affenarten beobachtet. Das Wesentliche des Werkzeuges aber
besteht in seiner dauernden planmäßigen Benugßung. Eine solche kann
man aber schwerlich aus einer bloßen Summation vereinzelter zufälliger
Ergreifungen von Gegenständen ableiten; noch weniger aus einer vorausgehenden
 Einsicht in den Nugen, der sich aus der dauernden Aufbewahrung
 und Verwendung desselben Gegenstandes ergeben würde. Alles,
was mit irgendwie bedeutsamen, insbesondere erfreulichen Erlebnissen
zusammenhängt, wird ebenfalls von dieser Verhaltungsweise ergriffen,
wie etwa die Hörner oder Zähne des erbeuteten Wildes, von denen der
glückliche Jäger sich nicht trennen kann, oder die Gebeine des mächtigen
 Zauberers, die der Eingeborene nach seinem Tode bei sich aufbewahrt.

Auch mit solchen Gegenständen tritt der Mensch, der sich mit ihnen
umgibt, in ein Verhältnis der Vergesellschaftung, sofern sie ihm etwas
sagen. Besonders dehnt sich auch sein Selbstgefühl auf sie aus und läßt
sie mit zu derjenigen Sphäre rechnen, die mit dem Ich unmittelbar verwachsen
 erscheint. ($ 19,5.) — Auf dem Gebiete der Kultur schafft unser
Trieb die Grundlage für eine Reihe von Sitten, bei denen eine rein rechtliche
 oder rein dynamische Beziehung durch gewisse Berührungsvorgänge
hergestellt wird. Dahin gehört es, wenn bei manchen Stämmen der Landerwerb
 sich nur durch unmittelbare Berührung einer Scholle vollziehen
kann; ferner die Sitte des Blutbundes, bei dem der Blutsbruder stets
einen Teil des Leibes des anderen sich aneignet; ebenso wenn der australische
 Eingeborene durch Verzehren von Menschenfett Stärke zu gewinnen
 meint, oder wenn kriegerische Stämme durch Trinken des Blutes
oder Verzehren des Herzens der Feinde sich deren Mut zu erwerben glauben,
 oder wenn endlich der australische Totemhäuptling für hinreichenden
 Nahrungsvorrat bei seinen Genossen dadurch sorgt, daß er ihren
Leib mit Zweigen bestreicht, die vorher mit dem Kultusobjekt der Totemgruppen
 in Berührung gebracht sind. Natürlich ist dabei nicht von der
Ausgestaltung der Sitte im besonderen, sondern nur von der letsten Wurzel
 die Rede, die bei ihrer Betätigung vorausgesegt werden muß. Diese

3) P. und F, Sarasin, Die Wedda auf Cevlon. S. 394.
            
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