7. Der Wanderhandel.
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3m Regierungsbezirk Düsseldorf, und zwar im Kreise Grevenbroich und im Kreise
Moers, dem sogenannten Bönninghardt, besorgen etwa 60 Lausierer den Verkauf der
dort fabrizierten Matten und Teppiche aus Filz, Leder und Kokosgarn. Dazu kommen
etwa ebensoviel Besenbinder aus der Bönninghardter Leide, die auf den Lausierhandel
angewiesen sind. Die im Regierungsbezirk Aachen ansässigen Lausierer führen als
Lauptartikel die verschiedenen Sorten von Tuchstoffen und Manufakturwaren, daneben
kleinere Gegenstände für den täglichen Bedarf. Besonders viele Lausierer wohnen in
der Stadt Linnich im Kreise Jülich und den umliegenden Dörfern.
Das Wirtschaftsleben des Westerwaldcs erhält von jeher sein Gepräge durch das
Lausierer- und Landgängertum. In Betracht kommen landwirtschaftliche Lausierer für
Vieh, in der Lauptsache Juden, für Landesprodukte aller Art, ferner die Nothausierer
sKicheleute und Puckelkrämer), die Armenunterstützung in Form eines Wandergewerbe
scheines erhalten, Irdengeschirrhändler, Lumpensammler, genannt Meckeser, und einige
Kolporteure. Die Westerwälder „Landgänger" handelten ftüher u. a. mit Erzeugnissen
des Kannenbäckergewerbes (Geschirr), Lolz- und Galanteriewaren; in der Lauptsache
waren sie Musiker, Gaukler und Bettelleute. Leute gibt es wenig Lausierartikel, die
von den Westerwäldern nicht geführt werden. — Die sauerländischen Lausierer, welche
man überall in Deutschland und vielfach im Auslande trifft, nehmen an Zahl von Jahr
zu Jahr ab.
Der Lausierhandel der Eichsfelder ist wieder auf die äußerst ungünstigen Boden
verhältnisse daselbst zurückzuführen. Vertrieben werden Erzeugnisse der Laustextilindustrie,
sowie verschiedene gekaufte Waren.
In Merxhausen am Solling (Lerzogtum Braunschweig) lebt seit Generationen
etwa die Lälfte der Einwohner von dem Lausierhandel mit Leinen- und Baumwoll-
waren, früher selbst hergestellten, jetzt Fabrikware; das in demselben Lande gelegene
Lohegeiß, der höchste Ort auf dem Larze, nährt sich in größerem Maße vom Lausier
handel, der, aus der Lolzindustrie hervorgegangen, sich heute auch auf verschiedene andere
Waren erstreckt. Der Lausierhandel von Benneckenstein im Larze ist entstanden aus
der dortigen Nagelschmiederei und Lolzwarenindustrie. Leute wird „Lande! mit allen
zulässigen Gegenständen", wie es teilweise auf den Lausierscheinen heißt, betrieben.
In Bardowiek, Flecken im Landkreise Lüneburg, befassen sich etwa 160 Personen
mit Samen-Lausierhandel.
Das Lerzogtum Oldenburg ist ein günstiger Boden für den Gewerbebetrieb im
Imherzichen, und zwar infolge des Besteuerungssystems; vor allem spielen hier aber
die Besiedelungsverhältnisse eine große Rolle. Man findet in Oldenburg Lausierer
aus allen Gegenden Deutschlands.
In den deutschen Großstädten ist der Lausierhandel in bedeutendem Imsange
Straßen- und Wirtshaushandel in Verbindung mit Bettel und unsittlichem Lebenswandel.
Von ausländischen Lausierern sind besonders zu nennen die italienischen Gips
figurenhändler, die sich truppenweise in den deutschen Großstädten niederlassen und die
von ihren „Meistern" dortselbst verfertigten Figuren vertreiben, und die „Slovaken",
aus Österreich und den Donauländern stammende Ländler mit Blechwaren und Mäuse
fallen, die auch ihre Dienste als Topfstricker anbieten.
Dem Lausierer verwandt, im Einzelfalle zuweilen von ihm nicht zu unterscheiden,
ist der Detailreisende. Im Dienste einer ansässigen Landelsfirma stehend, sucht er
für diese bei Privaten Bestellungen auf die von ihr vertriebenen Waren auf. Die
Waren selbst führt er im allgemeinen (Ausnahmen u. a. Goldwaren, Edelsteine, Ihren)
nicht mit sich, sondern nur Proben. Besonders viel Dctailreisende werden verwendet
im Lande! mit Wein, Leinwand (Bielefeld), Nähmaschinen, Lerrenanzttgen, besonders
Aniformen und Zigarren.