thumbs: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Erstes Buch. Die Begründer. 
glauben können, daß er Krisen überhaupt leugnet. Im Grunde konnte 
er gar nicht anders, als ihr Vorhandensein zuzugeben; was ihn aber 
am meisten beschäftigt, ist, jede der Ausdehnung der Industrie un 
günstige Schlußfolgerung von vornherein abzuweisen. 
Er hält die Krisen für eine im wesentlichen „vorübergehende *)“ 
Erscheinung; er betont, daß „die Freiheit der Industrie genügen würde, 
sie unmöglich zu machen“. Ihm liegt hauptsächlich daran, „die 
grundlosen Befürchtungen“ derer zu zerstreuen, die fürchten, daß nicht 
alle Güter verbraucht werden können, wie z. B. die eines Malthus, 
der die Erhaltung der reichen Müßiggänger als Sicherheitsventil 
gegen die Überproduktion 2 ) für wünschenswert erachtet, die eines 
Sismondi, der flehentlich um Verlangsamung des Fortschrittes, um 
Verhinderung der Erfindungen bittet. Er entrüstet sich über solche 
Worte, da bei den blühendsten Völkern „sieben Achtel der Bevölkerung 
eine Unmenge von Gütern entbehren muß, die jede, ich will nicht 
einmal sagen wohlhabende, sondern ganz bescheidene Haushaltung 
für nötig erachtet“ 8 ). ‘Er wird nicht müde, zu betonen und zu wieder 
holen, daß der Fehler nicht darin liegt, daß zu viel produziert wird, 
sondern darin, daß nicht das produziert wird, was gebraucht wird 4 S. * * )-“ 
Produzieren und nochmals produzieren: darin liegt alles, und ganz 
natürlich werden gerade die, die einen Augenblick unter dem Preis- 
überreichlich vorhanden, weil andere zu fehlen angefangen haben“ (Ebenda, 
S. 142), der sogar die Möglichkeit einer teilweisen Überproduktion zu verneinen 
scheint, zu viel Bedeutung beigelegt. Er wird aber durch den Satz korrigiert, den 
er selbst, um jedes Mißverständnis auszuschließen, als Anmerkung an den Fuß der 
folgenden Seite gesetzt hat: „Der Sinn dieses Kapitels ist nicht, daß man von 
einer bestimmten Ware im Verhältnis zum Bedarf nicht zu viel er 
zeugen könne, sondern nur, daß die Produktion einer Ware den Absatz einer 
anderen begünstigt.“ Und er ist sich selbst sicherlich untreu, geworden, wenn er in 
seinen Briefen an Mai.thüs, um seinen Standpunkt zu verteidigen, auf ein schlechtes 
Wortspiel zurückgreift, indem er sagt, daß, produzieren bedeute: „nachgefragte 
Gegenstände produzieren“ und alles, was über diese „Nachfrage“ hinausgehe, sei 
nicht mehr Produktion, und folglich noch weniger „Überproduktion“ (S. 462). Vgl. 
die Antwort Malthus’ (S. 508) und die Erwiderung Say’s, in der er seine Idee be 
stätigt (S. 513). Viel näher seinem wirklichen Gedanken, und auch viel wahrer, ist 
seine Antwort auf einen Aufsatz Sismonm’s, die 1824 in der Eevue encyclo- 
pedique unter der Überschrift: „Sur la balance des consommations avec les produo- 
tions“ (Über das Gleichgewicht zwischen Verbrauch und Produktion) veröffentlicht 
wurde. (Euvres diverses, 8. 250ff, — Seine Ausdrücke ändern sich übrigens 
von einer Ausgabe zur anderen, und im Grunde genommen ist nichts unbestimmter, 
als die Anschauung Say’s über diesen Gegenstand. Die Formel: „Erzeugnisse kaufen 
sich mit Erzeugnissen“ ist so allgemein, daß sie alles, was man will, bedeuten kann 
— oder überhaupt nichts, denn ist das Geld nicht auch ein Erzeugnis? 
1 ) Briefe an Malthus, (Euvres diverses, 8. 466. 
2 ) Malthus, Principles of political Economy; II, Kap. I, Abs. IX. 
3 ) Balance des consommations avec les productions, S. 252. 
4 ) Ebenda, 8. 251.
	        
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