Preis, so ergibt sich, dass bei allen grossen Reklameangelegenheiten
der Welt, ob man amerikanische Herrenkragen, Tomatensauce,
Fruchtdrops und Kaugummi, französische Seifen und CitroensKlein-
autos, die englischen Eisenbahnen oder deutsche Propaganda für
„die gute Massary“, für Nestles Kindermehl und die Staubsauger
der AEG. nimmt — die Kostenquote etwa zwischen 2 bis 5 Prozent
des Umsatzes liegt. Die besondere Gewalt der amerikanischen
Reklame liegt darin, dass sie auf einer Basis geführt werden kann
wie in keinem anderen Land der Welt. Nur die Vereinigten Staaten
haben eine Konsumentenschaft von weit über hundert Millionen
Köpfen, die in einheitlichen Lebenstormen denken und handeln.
Sie sind so gleichartig, weil sie nicht aus tausendjähriger Ent-
wicklung stammen, sondern im neunzehnten Jahrhundert — aus
der Einwanderungsiflut — erwuchsen.
Der Zwang des Überflusses hat in Amerika ganz eigene Methoden
der Absatzsteigerung entwickelt, die sich bei uns nicht durchsetzen
können, weil in Deutschland das Bremselement, die Reaktion der
weit über 3000 Kartelle und Preiskonventionen, sich auswirkt, weil
— wie schon erörtert — die Mentalität des deutschen Unter-
nehmers in historischen Denkfiguren gebunden ist. Die Einstellung
des amerikanischen Unternehmers zum Warenpreis ist deswegen in
ihrem ganzen Wesen anders als die des deutschen Unternehmers.
Seine Maxime ist: Viel umsetzen und vor allem schnell umsetzen.
Wenig umsetzen ist sehr teuer, und langsam umsetzen kostet Geld.
So entstanden der Sport der Preisherabsetzungen und der so-
genannte „Dienst am Kunden“. Sie haben sich nicht überall frei-
willig entwickelt.
Im besonderen die Preismonopolisten, die Trusts, waren es immer
wieder, die versuchten, ihre Vorherrschaft in der Umbildung der
hohen Gewinne zu Renten sich auswirken zu lassen. Es hat des-
wegen gegen ihre Preispolitik gewaltige Stürme gegeben. Man ist
dabei in Amerika an sich gar nicht so trustfeindlich, wie wir gern
annehmen. Man schätzt und erkennt an, dass Trustbildungen wirt-
schaftliche Rationalisierungen darstellen. Gerade aus dem Gegen-
satz dieser Erkenntnis der Allgemeinheit und der gegen sie sich
auswirkenden privatkapitalistischen Profitpolitik, die in dem er-
wähnten Sinne von den Trustführern fortgesetzt erneut versucht
wird, ist die Kritik der Trusts immer lebendig geblieben. Das ist
durchaus nicht Trustfeindschaft an sich. Auch die Antitrustgesetz-
gebung hat diesen Wandel durchgemacht.
Die Stimmung des Amerikaners, der auf dem Boden der mate-
riellen Formeln der Wirtschaft vertraut ist, ist den Warenpreisen
gegenüber nüchtern. Werden ihm die Waren durch Ermässigungen
entgegengebracht, so sieht er darin für sich den Anreiz des Er-
sparnisgewinnes. Dann kauft er. Das weiss die Industrie. Sobald
AR