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unseres Interesses. Aber auch nachdem gerade jene
Art von Fragelust, der die Wissenschaft dient 1 , ein
mal erwacht war, trat man — und tritt man noch
immer — in anderem Geist an die sozialen Frage
zeichen heran als an die der „leblosen Natur“. Die
sozialen Probleme haben ja sicher viele Besonder
heiten. Worin freilich diese Besonderheiten bestehen
und welches ihre Tragweite ist, darüber hat man sich
bis heute nicht geeinigt. Doch hat sich eine Unsicher
heit des Zugreifens daraus ergeben, die den Fort
schritt sehr hindern mußte. Ganz abgesehen da
von endlich, erschien sich der Mensch immer so sehr
als ein besonderes Ding, das mehr oder weniger
außerhalb der übrigen Schatten steht, die an ihm
vorüber huschen, das Botschaft von fremden Welten
hat, das seine Schicksale selbst gestalten kann — daß
das Eindringen forschenden Geistes hier Schwierig
keiten begegnete, Schwierigkeiten in der eigenen
Brust des Forschers, die vielleicht nie ganz über
wunden werden können und jedenfalls nur langsam
Stück für Stück des Weges freigaben: Dem Forscher
in diesem Wald begegnen Dantes Ungetüme auf
' Die Wissenschaft dient natürlich sowohl direkt wie indirekt
noch sehr vielen anderen Zwecken. Und wenn ich das Interesse an
allgemeinem Verständnis des Geschehens —• hier im Gegensatz zum
Interesse an konkreten Erscheinungen, die uns an sich und aus an
deren Gründen wertvoll sind — als das spezifisch wissenschaftliche be
zeichne, so soll das nicht heißen, daß genetisch das wissenschaftliche
Interesse nicht andere Wurzeln hat, sondern nur, daß gerade jene
Art von Interesse für die Wissenschaft „konstitutiv“ ist und ihr
„Wesen“ ausmacht. In der sozialwissenschaftlichen Erkenntnis
theorie unserer Tage herrscht, gerade in manchen ihrer besten Pro
dukt^ eine andere Ansicht.