Full text: Fortschritt und Armut

Kap. III. 
Der Zins und dessen Ursache. 
MS 
aufsparen, Piraten ihre vergrabenen Schätze vermehren, orientalische 
Fürsten immer größere pausen geprägten Geldes anhäufen und Leute 
wie Stewart und vanderbilt, sind sie erst einmal von der Leidenschaft 
besessen, immer mehr haben zu wollen, würden, solange sie könnten, fort 
fahren, ihre Millionen anzusammeln, selbst wenn die Anhäufung keinen 
Zins brächte. Ls will auch nicht sagen, daß kein Borgen oder Verleihen 
mehr stattfinden würde; denn dies wäre größtenteils durch den gegen 
seitigen Vorteil bedingt. Patte Wilhelm sofort, Zakob aber erst nach 
lv Tagen ein Stück Arbeit anzufangen, so dürfte es für beide vorteil 
haft fein, den pobel zu leihen, wenn auch kein Brett dafür gegeben 
würde. 
Zndes, alle Güter sind nicht von der Natur der pobel, der Bretter 
oder des Geldes, noch ist alle Produktion bloß eine Umarbeitung der 
unfertigen Stoffe der Lrde in andere formen, wahr ist, daß, wenn ich 
<Selb wegstecke, es sich nicht vermehren kann. Nehmen wir jedoch statt 
dessen an, daß ich wein weglege. Mit Ende des Zahres werde ich eine 
lVertvermehrung haben, denn der wein wird an Oualität gewonnen 
haben. Oder nehmen wir an, daß ich in einer dazu geeigneten Gegend 
dienen halte; am Lnde des Zahres werde ich mehr Schwärme haben, 
sowie den ponig, welchen sie gesammelt haben. Oder nehmen wir an, 
daß ich Schafe, Rinder oder Schweine auf eine weide treibe; am Lnde 
des Zahres werde ich, im Durchschnitt, ebenfalls mehr haben. 
was in diesen Fällen die Vermehrung zuwege bringt, erfordert 
Zwar in der Regel zur Nutzbarmachung Arbeit, ist aber doch etwas von 
der Arbeit Verschiedenes und Trennbares, nämlich die tätige Kraft 
der Natur, das Prinzip des Wachstums, der Reproduktion, das überall 
alle Formen jenes geheimnisvollen Zustandes oder Dinges, das wir 
E^ben nennen, charakterisiert. Und dies scheint mir die Ursache des 
Zinses zu sein, d. h. der Kapitalvermehrung über das hinaus, was der 
Arbeit zu verdanken ist. Zn den Bewegungen, welche den ewigen Fluß 
der Natur ausmachen, sind, sozusagen, gewisse vitale^ Strömungen, die, 
wenn wir sie benutzen, uns mit einer, von unseren Bemühungen unab 
hängigen Kraft helfen, den Stoff in die von uns gewünschten Formen, 
also in Güter umzuwandeln. 
Während viele Dinge anqeführt werden können, die gleich pöbeln, 
Brettern, Maschinen oder Kleidern keine ihnen beiwohnende Vermeh 
rungskraft haben, so sind doch wiederum andere Dinge in den Worten 
Süter und Kapital inbegriffen, die, gleich dem weine, bis zu einem 
Sewissei^ Punkte von selbst an Oualität zunehmen; oder die gleich 
dienen oder Vieh von selbst an Ouantität zunehmen; und gewisse 
andere Dinge, wie z. B. Sämereien, deren Vermehrungsbedingungen 
Zwar nicht ohne Arbeit zu erhalten sein mögen, die sich aber, wenn 
awse Bedingungen erfüllt werden, vermehren, d. h. einen Ertrag liefern 
^aer das hinaus, was der Arbeit zu verdanken ist. 
Die Möglichkeit des Austausches der Güter involviert notwendige
	        
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