Full text : Fortschritt und Armut

*72

Buch  III.

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Drei  Parteien  teilen  das  Erzeugnis:  der  Arbeiter,  der  Kapitalist
und  der  Grundbesitzer.
Wenn  bei  einer  Zunahme  der  Produktion  der  Arbeiter  nicht  mehr
erhält  und  der  Kapitalist  nicht  mehr  erhält,  so  ist  die  notwendige  Schlußfolge, ­
  daß  der  Grundbesitzer  den  ganzen  Gewinn  erntet.
Und  die  Tatsachen  stimmen  mit  dieser  Schlußfolge  überein.  Obgleich ­
  weder  der  Lohn  noch  der  Zins  irgendwo  mit  Zunahme  des  materiellen ­
  Fortschritts  steigt,  so  ist  doch  die  unvermeidliche  Begleitung  und
i  das  Anzeichen  des  materiellen  Fortschritts  die  Erhöhung  der  Grundrente,
das  Steigen  der  Landwerte.
Das  Steigen  der  Grundrente  erklärt,  warum  der  Lohn  und  der
Zins  nicht  steigen.  Die  Ursache,  welche  dem  Grundbesitzer  gibt,  ist  dieselbe, ­
  welche  dem  Arbeiter  und  Kapitalisten  verweigert.  Daß  Lohn  und
Zins  in  neuen  Ländern  höher  sind  als  in  alten,  geschieht  nicht,  wie  die
Ökonomen  der  herrschenden  Richtung  sagen,  darum,  weil  dort  die  Natur
dem  Arbeits-  und  Kapitalsaufwand  einen  größeren  Ertrag  darbietet,
sondern  weil  der  Grund  und  Boden  wohlfeiler  ist  und  somit  die  Arbeit
und  das  Kapital,  da  ein  kleinerer  Teil  des  Ertrages  von  der  Rente  in
Anspruch  genommen  wird,  für  ihren  Anteil  einen  größeren  Teil  der
Naturgaben  behalten  können.  Nicht  der  Gesamtertrag,  sondern  der
Nettoertrag  nach  Abzug  der  Rente  bestimmt,  was  als  Lohn  und  Zins
verteilt  werden  kann.  Daher  wird  der  Lohnsatz  und  Zinsfuß  überall
nicht  sowobl  durch  die  Ergiebigkeit  der  Arbeit  als  durch  den  Wert  des
Bodens  bestimmt.  Wo  immer  der  letztere  verhältnismäßig  niedrig
ist,  find  Lohn  und  Zins  verhältnismäßig  hoch;  hingegen  wo  Grundund
  Boden  verhältnismäßig  hoch,  sind  Lohn  und  Zins  verhältnismäßig
niedrig.
Wäre  die  Produktion  nicht  über  jenes  einfache  Stadium  hinaus,
in  welchem  alle  Arbeit  direkt  auf  den  Boden  verwendet  wird  und  alle
Löhne  in  natura  gezahlt  werden,  so  wäre  es  nicht  zu  übersehen,  daß,
wenn  der  Grundbesitzer  einen  größeren  Anteil  nimmt,  der  Arbeiter  sich
mit  einem  kleineren  zufrieden  geben  muß.
Aber  die  unendliche  Verzweigung  der  Produktion  im  zivilisierten
Zustande,  wo  ein  so  großer  Teil  vom  Handel  beschafft  und  so  viel  Arbeit
auf  Rohstoffe  verwendet  wird,  nachdem  sie  vom  Grund  und  Boden
losgelöst  sind,  ändert  nichts  an  der  Tatsache,  obschon  sie  dieselbe  den
Gedankenlosen  verbergen  mag,  daß  alle  Produktion  noch  immer  die
Vereinigung  der  beiden  Faktoren  Land  und  Arbeit  ist,  und  daß  die
Grundrente  (der  Anteil  der  Grundbesitzer)  nicht  steigen  kann,  außer
auf  Kosten  des  Lohns  (des  Anteils  der  Arbeiter)  und  des  Zinses  (des
Anteils  des  Kapitals).  Gerade  wie  der  Ernteanteil,  welchen  in  einfacheren ­
  Formen  des  Gewerbfleißes  der  Besitzer  von  Ackerland  nach
Beendigung  des  perbstes  als  Rente  empfängt,  den  dem  Bebauer  für
Lohn  und  Zins  übrig  bleibenden  Betrag  vermindert,  so  vermindern  die
Grundrenten  des  Bodens,  auf  welchem  eine  Fabrik-  oder  Handelsstadt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.