Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

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Die  Fortdauer  der  Armut  inmitten  des  Reichtums.

New  X]otf  sann  der  San  Franziskaner  Schmutz  und  Elend  sehen,  die  ihn
mit  Schrecken  erfüllen.  Zn  London  ist  der  Grund  und  Boden  wertvoller ­
  als  in  New  pork,  und  in  London  ist  Schmutz  und  Elend  schlimmer
als  in  New  pork.
Man  vergleiche  dasselbe  Land  zu  verschiedenen  Zeiten,  und  es  wird
dasselbe  Verhältnis  ersichtlich.  Als  Ergebnis  langer  Forschung  spricht
pallam  seine  Überzeugung  aus,  daß  der  Lohn  der  Handarbeit  während
des  Mittelalters  in  England  höher  war  als  jetzt.  Wie  dem  sei,  so  viel
ist  klar,  daß  er,  wenn  überhaupt,  nicht  viel  niedriger  sein  konnte.  Die
enorme  Zunahme  in  der  Leistungsfähigkeit  der  Arbeit,  die  selbst  in  der
Landwirtschaft  auf  ?oo  oder  800  Prozent  veranschlagt  wird  und  in  vielen
Zndustriebranchen  fast  unberechenbar  ist,  hat  nur  die  Rente  erhöht.
Die  Rente  von  Ackerland  in  England  ist  jetzt,  Professor  Rogers  zufolge,
in  Geld  gemessen  ^20  mal  so  groß,  als  sie  vor  500  Jahren  war,  und  in
Weizen  gemessen  t4  mal  so  groß,  während  in  der  Rente  von  Baugrundstücken ­
  oder  Bergwerksbesitz  die  Steigerung  noch  unvergleichlich  größer
ist.  Nach  der  Schätzung  Professor  Fawcetts  beläuft  sich  der  kapitalisierte ­
  Rentenwert  der  Ländereien  Englands  auf  4  500  000  000  £  oder
90  000  Millionen  Mark,  d.  h.  wenige  Tausende  Engländer  besitzen  einen
gesetzlichen  Anspruch  auf  die  Arbeit  aller  übrigen,  dessen  kapitalisierter
Wert  mehr  als  zweimal  so  groß  ist,  als  zum  Durchschnittspreise  dev
Neger  des  Südens  im  Zahre  f860  der  Wert  der  sämtlichen  Einwohner
Englands  sein  würde,  wenn  sie  Sklaven  wären.
Zn  Belgien  und  Flandern,  in  Frankreich  und  Deutschland  hat  sich
die  Grundrente  und  der  Verkaufspreis  von  Ackerland  innerhalb  dev
letzten  50  Zahre  verdoppelt*).  Kurz,  die  größere  Produktionskraft  hat
allenthalben  den  Wert  des  Landes  erhöht,  nirgends  aber  hat  sie  den
Wert  der  Arbeit  gesteigert,  denn  obschon  der  Lohn  an  manchen  Orten
tatsächlich  etwas  gestiegen  sein  mag,  so  ist  dies  doch  klärlich  anderen
Ursachen  zuzuschreiben.  An  mehr  Orten  ist  er  gesunken  —  nämlich  da,
wo  er  überhaupt  sinken  konnte  —,  denn  es  gibt  ein  Minimum,  unter
welchem  die  Arbeiter  ihre  Anzahl  nicht  erhalten  können.  Und  überall
ist  der  Lohn  im  Verhältnis  zum  Produkt  gesunken.
Wie  der  schwarze  Tod  im  vierzehnten  Jahrhundert  die  große  Lohnsteigerung
  in  England  zuwege  brachte,  ist  klar  ersichtlich  in  den  Bestrebungen ­
  der  Grundbesitzer,  die  Löhne  durch  Verordnung  zu  regulieren.
Daß  jener  fürcherliche  Rückgang  in  der  Bevölkerung  die  Leistungsfähigkeit
der  Arbeit  tatsächlich  herabsetzte,  anstatt  sie  zu  vermehren,  kann  keinem
Zweifel  unterliegen;  aber  die  Verminderung  der  Konkurrenz  um  Land
drückte  die  Grundrente  noch  mehr,  und  die  Löhne  stiegen  so  riesig,  daß
die  Gewalt  und  die  Strafgesetze  zuhilfe  gerufen  wurden,  um  sie  niederzuhalten. ­
  Die  entgegengesetzte  Wirkung  folgte  der  Landmonopolisierung,
welche  unter  der  Regierung  Heinrichs  VIII.  in  England  vor  sich  ging.

9  Systeme  der  Landverpachtung,  vom  Lobden-Klub  veröffentlicht.
            
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