Full text: Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

überaus folgenschwere Verschiebung der Großhandelswege des 
Weltverkehrs, an deren befruchtenden Fluten Norddeutschland 
damals noch keinen Anteil hatte. Handel und Wandel erlahmten 
und erstarrten, langwierige, blutige Kriege zerfleischten das Land, 
und Jahrhunderte hindurch mußte die einst so stolze Stadt in 
trauriger Bedeutungslosigkeit verharren. 
Erst das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts bereitete langsam 
eine Wandlung zum Besseren vor. Die Seeherrschaft und mit ihr 
der Seehandel, der bei der ungeheuren Erweiterung des geo 
graphischen Gesichtskreises den Land- und Nahhandel überflügelt 
hatte, war von den stammesfremden fernen romanischen Völkern 
näher wohnenden Nationen germanischer Rasse zugefallen. Da 
mit hatte sich auch das Schwergewicht zu Gunsten Deutschlands 
und besonders Nordwestdeutschlands verschoben: die westliche 
Ecke der Nordsee wird der Brennpunkt, in dem sich die Strahlen 
des Weltverkehrs vereinigen. Kraft seiner Nachbarlage hatte auch 
Bremen davon Vorteil, vorerst allerdings in nur bescheidenem 
Maße. Jedenfalls aber erhielt es einen festen Grund, auf dem es 
wagen konnte, einen neuen Bau nach neuen Gesichtspunkten auf 
zuführen. 
Der erste positive Anstoß ging von den politischen Verhält 
nissen in Nordamerika aus. Die dortigen englischen Kolonien hatten 
sich, verletzt durch die ungerechte, jedes freie Leben in ihnen er 
stickende Zollpolitik des Mutterlandes, von diesem losgesagt. Der 
neue Staatenbund suchte direkte Verbindungen mit außerbritischen 
Ländern anzuknüpfen. Da war es ein Glück für Bremen, daß es 
die Bedeutung der Stunde erkannte und wagemutig erfaßte. Wenn 
die damals angeknüpften Verbindungen auch manche schwere 
Belastungsprobe auszuhalten hatten, so hielten sie doch fest, und 
der Warenverkehr mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika 
bildet, wie den Grundstein, so noch jetzt den weitaus wichtigsten 
Pfeiler, der den Handel Bremens stützt. 
Napoleons Bestreben, Englands Handel durch Schließung der 
Festlandshäfen zu vernichten, das Inselreich durch Sperrung der 
Nahrungsmittelzufuhr auszuhungern, schlug Bremen schwere 
Wunden. Die Gewaltherrschaft des großen Eroberers brach zu 
früh zusammen, um die »Kontinentalsperre« wirksam zu gestalten. 
In unbegreiflicher Verblendung trug er auch selbst zum Siege 
des Gegners bei, als er gerade in dem Augenblicke, wo sich der 
britische Löwe schon ergeben wollte, in krasser Betätigung 
merkantilistischer Anschauungen die Getreideausfuhr aus Südeuropa 
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