Sonderbildungen an den Grenzen des Reiches. 149
dann ward es Köln; jetzt traten die Städte Flanderns und teil—⸗
weis auch des holländischen Ostens an dessen Stelle, um später
durch Antwerpen und Amsterdam abgelöst zu werden. Die
romanischen Kirchen von Gent oder Brügge sind längst nicht
so reich und schön, wie diejenigen von Mainz oder Köln —
aber alle diese Kirchen ärmlichen Baustils übertreffen ihre
rheinischen Schwestern durch die glänzende, seit dem spä—
teren Mittelalter erfolgte innere Ausstattung. Es ist der—
selbe Weg, wenn in Schweden an Stelle des binnen⸗
ländischen Upsala Sigtuna am innersten Mälar, an Stelle
Sigtunas Stockholm an der Stelle des Mälar, wo Salz⸗- und
Süßwasser sich mischen, als größte Handelsstadt des Landes
getreten ist: der Handel sucht je länger je stärker das Meer,
und von immer größeren Schiffen abhängig, verlegt er seine
Emporien immer näher den Mündungen der großen Wasser—
adern des Binnenlands.
Es war also ein kaum abänderliches Gesetz der Entwicklung,
wonach Köln und seine Nachbarstädte seit dem 12. Jahrhundert
immer mehr vor Brügge und Gent zurücktraten. Zugleich aber
erschienen nun, da die Rheinländer daheim wie infolgedessen
auch in ihrer Stellung auf den flandrischen Handelsplätzen
an Bedeutung verlieren mußten, immer zahlreicher, immer kräf—⸗
tiger die Osterlinge, die Lübecker in Flandern!. Sie kamen
über Holland und das Bistum Utrecht, wo sie sich früh Privi⸗
legien verschafften; bald wußten sie auch in Flandern, dessen
Handel sie namhaft hoben, die bis dahin besonders privilegierte
Stellung der Kölner und der ihnen zugewandten Städte zu
untergraben; im Jahre 1252 werden die hergebrachten Handels—
vorteile allen deutschen Kaufleuten in gleicher Weise gewährleistet.
Und nun entwickelte sich in Flandern eine gemeinsame Handels—
niederlassung aller Deutschen, auch der Osterlinge, im Sinne
eines Stapels und gemeinsamer Versammlungsräume; es sind
die Anfänge des deutschen Kontors der Hanse zu Brügge.
1VBgl. Band III S. 310 f.