Über die „Grundbegriffe“ VIII.
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Aber selbst dieser Vorstoß, auch ihn vorläufig nur, um das Bild
abzurunden, das ich in aller Eile von dem möglichen Gehalt jener
„harmlosen“ Sprachsitte entwerfen wollte. Noch ein Wort über den
tieferen Zusammenhang, dem sich diese Sprachsitte einflicht.
Mit dem Brauche, das nachsinnlich beschaute Wort „Begriff“ zu
heißen, gibt sich in einem einzelnen, aber markigen Zuge etwas nach
außen kund, das ich als herkömmliche Logik bezeichnen möchte.
Das Verhältnis des Wortes zum Denken ist freilich nur in einer be
schränkten Hinsicht Gegenstand der Logik. Aber man tut dem Aus
drucke „herkömmliche Logik“ keine sonderliche Gewalt an, sofern
man ihm auch die erkenntnistheoretischen und psychologischen Voraus
setzungen unterstellt, von denen das herkömmliche Denken unbewußt
ausgeht.
„Denken in herkömmlichen Anschauungen“ — wie diese Wendung
gemeint ist, und eben nicht im Geiste eines Schlagwortes, das sofort
auch ein anmaßendes wäre, sondern nüchtern und sachlich, das habe
ich schon an früher Stelle zu erläutern gesucht; seither hat es wohl
der einfache Hergang der Kritik klarer gemacht, in welchem Geiste
man sich dieser Wendung bedienen darf. So wage ich es auch, von
einer herkömmlichen Logik zu sprechen; abermals im Vertrauen, daß
die Kritik nur weiterzulaufen braucht, um auch hier die Taufrede sach
lich zu unterstützen.
Mit dem herkömmlichen Denken bedingt sich die herkömmliche
Logik ganz ebenso, wie es Denken und Logik überhaupt tun. Die
herkömmliche Logik baut sich einfach aus den logischen Anschauungen
auf, von denen das herkömmliche Denken getragen wird; die ihrer-
seits jedoch wieder nur mit dem letzteren zugleich von Dasein sindl
Denn es ist die herkömmliche Logik zunächst nur eine Logik als Tat,
gegeben mit dem wirklichen Gebaren eines verwirklichten Denkens.
Sie ist gleichsam das ungeschriebene Gewohnheitsrecht jenes Denkens,
das an der Pflege der Wissenschaften tätig ist.
Nur in dem einschränkenden Sinne dieses Gleichnisses ist die
herkömmliche Logik die in die Tat umgesetzte Logik als Wissen
schaft. Sie zweigt nicht eigentlich von dem ab, was man die wissen
schaftliche Logik nennen darf, die im Fluß des Strebens nach
Erkenntnis verharrt; sondern eher von dem, was öfters die Logiker
selbst bekämpfen müssen, bald als „Schullogik“ (Mi 11), bald als
„formale Logik“ (Wundt); obwohl es zu jener Ruhe in sich selber
gelangt ist, der man unwillkürlich Achtung entgegenbringen muß;
die sich andererseits aber auch so gut auf das Herkommen reimt. Nur
diese „Schullogik“ — der Name fährt dem erklärenden Zusammen