Haushalten und Unternehmen, XVII.
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das urwüchsige Denken zu teilen scheint — Scheidungen, die von Haus
aus keine scharfen sind, wie es einmal in der Welt des Handelns nicht
anders ist; da geht mehr oder minder alles mit fließenden Grenzen in
einander über. Die „Unternehmung“ selber tritt etwas aus der Reihe
heraus; oder besser gesagt, die Gebilde, die sich so nennen ließen,
weil sie der Formel Unternehmen zu ihrem rechten Verständnis bedürfen.
Nur diese Art Gebilde läßt das Geheimnis ihrer Gliederung erst mit
einem dritten Worte ausplaudern.
XVII.
Es liegt im Wesen der Formel Unternehmen, daß sie nur als
Schlüssel für Tochtergebilde dienen kann; nur für Gebilde a ,
die nicht bloß in jenem tatsächlichen Sinne mit an eren ln er
bindung stehen, der für alle Höchstgebilde der Schicksalswelt zutrifft
bald in der Art eines Anschlusses, bald in der Art eines Einschlusses.
Dieser Einschluß gilt für die Sippe der „Unternehmungen' ganz w e s e n t -
Hch. Dabei kann aber das Verhältnis des Tochter- zum Muttergebilde
höchst verschieden sein. Da gelten fließende Übergänge; zwischen
einer La ge , bei der über dem „Erwerbszwecke“ einer Haushaltung kaum
erst ein Tochtergebilde erwachsen ist, bis zu jener Lage, die es um
gekehrt schwer macht, die Eingliederung als bestehend zu erkennen.
Jener erste Fall klingt z. B. mit der biederen Wendung „Haus und
Hof“ an. Auf der anderen Seite verhüllt den Mangel an Selbständig
keit, der aller „Unternehmung“ im Wesen liegt, besonders der Umstand,
daß ein Verhältnis zugleich zu einer Mehrheit von Muttergebilden
vorliegen kann, und obendrein als ein bewegliches: „Aktien
unternehmung“ 1
Anmerkung: Hier besonders spielt auch die „Rechtsordnung“ ein,
<üe aber im Grundsätzlichen nichts entscheidet. Die Formel Unterne men
kommt nicht erst dort zu Ehren, wo das Recht einen solchen Ableger als
Zuständliches Gebilde gleichsam verbrieft. So innig das Recht mit dem Ge
schehen und seinem Um und Auf verflochten bleibt, im Grundsätze erscheint
es doch nur als geschoben. Auch im einzelnen zaubert es diese Gebilde
nicht hervor; es lenkt nur die schöpferische Hand des Geschehens. Selbst
dem Geschehen, hinter dem das lebendige Denken steht, kann nichts auf der
flachen Hand wachsen. Es ist an seine Determinanten gekettet, vermag aber
die Schöpfung zum Teil bei diesen zu beginnen. Es ist auch im anderen
Sinne nie ganz freischöpferisch; aber gerade die „Nachahmung“ sichert der
Welt des Handelns ihre ganz andere „Ontogenie“: der Stammbaum der