Ausblicke, I.
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selbst schon überaus tief gehen. Gewiß, auch darüber kann man sich
Rechenschaft ablegen, in welcher Art unser Denken über dem Worte
„wirklich“ zu einer bedingten Ruhe kommt. Ob man mit solchem
Bekenntnis aber Zustimmung abringt, ist mehr als die Frage. In jenem
eigenen Falle zwar, wenn das Wort gleichsam nur ornamentale Ver
wendung findet, müßte der Schrecken des Wortstreites noch nicht
hereinbrechen. Der Stachel zu ihm fehlt, solange nicht der ent
scheidende Gedankengang über einem Worte scheitelt. Darauf
kommt es ja an; es darf eben niemals das Wort als bloßer Lücken
büßer einspringen. Sonst kocht man nur mit Wasser. In Nebensachen
sind wir ja unrettbar dazu gezwungen. Es scheint aber vielleicht, daß
ich von meiner Seite auch in der Hauptsache mich vergehe, und fort
während mit dem Worte „Erleben“ sündige 1 Nun, um eine Stufe
steht es damit unstreitig besser. Es hat dieses Wort doch mitge
holfen, früher und jetzt, den gleichen Gedanken etwas sachlicher zu
entfalten, den das Wort „wirklich“ nur mit seinen eigenen zwei Silben
zu stammeln wüßte.
Vielleicht sind auch im Wesen Unterschiede da. Beweisen kann es
ja nicht die Spur, was man so aus Worten herausklügelt; bezeichnend
aber bleibt es immerhin, daß z. B. die deutschen Worte „wirklich“,
„Wirkung“, „Tatsache“ doch nur Bilder sind, dem Handeln ent
lehnt; von dorther also, wo das Wort „Erleben“ sachlich klingt.
Und wahrhaftig, hinter „Erleben“ und „Handeln“ da lebt und webt
jener gewisse Zusammenhang, der sich immer noch beliebig auf Worte
spannen läßt: „Streben und Erfolg“, oder „Zweck und Werk“, oder
„Wunsch und Erfüllung“, oder „Absicht und Erzielung“, oder „Begehr
und Befriedigung“, oder „Bedürfnis und Stillung“, wer weiß in wieviel
Arten noch des Ausdruckes, die je nach Dienlichkeit zur Verfügung
stehen. Sicher ist, daß just dieser Zusammenhang ein Urtümlichstes
bedeutet. Als das unmittelbar Empfundene hat er vor allem Ge
dachten den vorbildlichen Schritt voraus. Z. B. vor jenem
kurzatmigen Zusammenhang, den wir als „Ursache und Wirkung“ aus-
s *gen, sofern wir nicht mit der Aussage „Kraft und Wirkung“ noch
um eine Stufe tiefer im lebendigen Denken stecken bleiben; jenem
Zusammenhang, mit dem wir eine Abfolge von Erscheinungen denken,
von der wir es im Sinne eines „Gesetzes“ wissen oder doch aus anderen
Gründen annehmen dürfen, daß sie ihrer Verallgemeinerung standhält.
Da s sind Dinge, die eigentlich nicht mehr zählen. Ich will damit bloß
dem Scheine wehren, als ob ich wissentlich selber mit Worten
Mißbrauch triebe. Ich meine eben, solange sie auf jenen
Zusammenhang abzielen, dessen sich unser nachhinkendes Denken
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