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,Die Grenzen der Geschichte“,
Ergebnis der Deutung so radikal zu ändern vermag, daß der Interpretation
ein so unbegrenzter Spielraum gewährt ist, das erscheint eben
nur deshalb möglich, weil hier nicht schlechthin ein Wandel in
der Interpretation, sondern ein Wechsel in der Interpolation
vorgegangen ist, weil hier das Geschehen ein von der Erkenntnis
gestalteter Einschübling ist, der Form nach also ein
Konstruktionsbehelf.
Noch in einer zweiten Hinsicht zeichnet sich die Historie vor der
Metahistorie aus. Sie erschließt das Geschehen in solcher Art und
Weise, daß es von Haus aus in einem innigeren Verhältnis zu
unserem erkennenden Denken steht, als dies für das metahistorische
Geschehen gilt Dieses wird vom Boden der Naturgesetze, jenes
vom Boden der logischen Denkgesetze aus erfaßt. Hinter den
Naturgesetzen aber steht, als letzte Instanz, erst noch die Erfahrung.
Nicht auch hinter den logischen Denkgesetzen, die sich selber schon
die letzte Instanz sind. Dieser Unterschied gibt hier den Ausschlag,
und es ist leicht gezeigt, wie er es tut.
Alle Erfahrung, die ein Geschehen betrifft, wurzelt in dem, was
um uns her vorgeht. Um die Abfolge A—B als Erfahrung hinzunehmen,
muß ein Geschehen seinen Lauf nehmen. Träger der Erfahrung
ist stets das Geschehende. Hinter den Naturgesetzen steht
also das Geschehende, und ein Geschehen vom Boden der Naturgesetze
aus erfassen, heißt nichts anderes, als daß man das Geschehene
nach der Analogie zum Geschehenden gestaltet. Dem
entspricht nun auch das Verhältnis des metahistorischen Geschehens
zu unserem Denken. Unsere Einsicht ei schöpft sich hier darin, daß
wir die Vorgänge aus der Analogie des Geschehenen
zum Geschehenden begreifen. So mögen wir in unserem Beispiele
den Verwitterungsprozeß noch so eindringlich in lauter kausale
Verkettungen auflösen, für unsere Erkenntnis ist damit nichts weiter
erreicht, als daß wir nun jeden Teilvorgang für sich aus der Analogie
des Geschehenen zum Geschehenden begreifen. Ein weiterer Zusammenhang
im Geschehen selber offenbart sich uns nicht. Es verbleibt
bei jenem kausalen Zusammenhang nach dem Schema A—B,
der stets nur das Nächste an das Nächste kettet. Die Einsicht in
diesen kurzatmigen Zusammenhang aber bedeutet vom Standpunkte
unseres erkennenden Denkens aus immer nur ein Begreifen aus
der Analogie. Dafür, daß es so und so geschehen ist, berufen
wir uns einfach darauf, daß es aller Erfahrung nach immer so geschieht.