Full text : Wirtschaft als Leben

372

,Die  Grenzen  der  Geschichte 1

feststellen.  Die  Lage  des  Werkplatzes  gegenüber  der  Lage  des  Bauplatzes ­
  mag  in  dem  erschlossenen  Geschehen  den  Ausdruck  eines
Sparens  mit  der  Arbeitskraft  erkennen  lassen.  Auch  in  seiner  inneren
Verflechtung,  in  seiner  Stückelung  nach  Akten  und  in  seinem  ganzen
Hergang,  erkennen  wir  das  Geschehen  aus  seinem  Zusammenhang  mit
späterem  und  ebenso  auch  mit  früherem  Geschehen.  So  läßt  sich
z.  B.  die  ganze  Entwicklung  der  römischen  Bautechnik  mit  diesem
Geschehen  in  einen  Zusammenhang  bringen,  der  uns  das  Geschehen
als  solches  in  seinem  besonderen  Gepräge  erklärt.  Es  gilt  von  allen
diesen  Zusammenhängen,  daß  ihre  Aufdeckung  im  strengsten  Sinne
eine  Erklärung  des  Geschehens  selber  darstellt,  und  nicht
bloß  seines  Eintrittes.
Gewiß  denkt  man  sich  auch  den  Kausalzusammenhang  so,  daß
er  schließlich  alles  mit  allem  verbindet.  Er  tut  es  aber  stets  nur  von
Station  zu  Station;  er  verkettet  eben  nur,  aber  er  übergreift  sich
als  Zusammenhang  niemals,  er  verknüpft  also  nichtI  Der  Vorstellung ­
  nach  könnten  wir  uns  wohl  aus  dem  großen  Kausalzusammenhang ­
  begreiflich  machen,  wie  es  kam,  daß  an  dieser  bestimmten  Stelle
ein  Wasser  bestimmter  Bewegungsart,  unter  bestimmten  Umständen,
mit  einer  bestimmten  mineralischen  Spezies  in  Kontakt  gelangt  ist.
Für  das  Begreifen  des  Geschehens,  das  aus  diesem  Kontakt  entspringt, ­
  lernen  wir  daraus  auch  nicht  das  mindeste.  Für  sein  Begreifen ­
  sind  wir,  nach  wie  vor,  auf  den  Analogieschluß  vom  Geschehenden ­
  auf  das  Geschehene  angewiesen:  der  Kontakt  von  Wasser
und  Glimmer  wirkt  so  und  so,  ergibt  dieses  und  dieses  Geschehen.
Und  es  ist  dabei  absolut  gleichgültig,  wie  es  im  Ablauf  des  früheren
Geschehens  zu  diesem  bestimmten  Kontakt  gekommen  ist.
Ein  Geschehen  aber,  daß  wir  als  ein  Geflecht  vernünftigen  Tuns
erschließen,  ist  bis  ins  Innerste  hinein  ein  Geschöpf
seiner  Zusammenhänge  mit  anderem  Geschehen.  Je
tiefer  wir  in  diese  Zusammenhänge  eindringen,  desto  greifbarer  wird
uns  nebenbei  die  Einsicht,  daß  ein  Geschehen  dieser  ganz  bestimmten
Art  eben  nur  an  diesem  Orte,  zu  dieser  Zeit  und  in  dieser  Verflechtung
möglich  war.  Auch  „die  Natur  ist  nur  einmal  da“  (Mach).  Hier
aber  wird  uns  das  Einmalige,  das  Niewiederkehrende  des  Geschehens
klar  erfaßlich,  weil  seine  Eigenart  darin  wurzelt.  In  den  großen
Zusammenhang  des  Erlebten  knüpft  sich  dieses  Geschehen  an  einer
ganz  bestimmten  Stelle  ein,  und  gerade  aus  dieser  einzigen
Position  schöpft  das  Geschehen  sein  ganzes  Um  und
Auf.  Je  sorglicher  wir  seine  Einknüpfung  erschließen,  desto  verständlicher ­
  wird  uns  das  Geschehen,  als  solches.  Einverständnis,  dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.