Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
der Dramen Maeterlincks genauer zu reden sein; die Möglich— 
keiten ihrer Durchbildung in der Kunsterzählung spiegelt wohl 
die Entwicklung Helene Böhlaus am mannigfaltigsten wieder. 
Helene Böhlau, 1859 zu Weimar geboren, hat sich in weitere 
litterarische Kreise zuerst mit den prächtigen, humordurchwirkten 
„Ratsmädelgeschichten“ eingeführt. Klar, aber noch maßvoll 
zu Tage getreten aber war ihr Symbolismus bereits in dem 
„Schönen Valentin“ (1886): denn schon auf dieses Werk paßt 
in prägnantem Sinne die Begriffsbestimmung, die sie von der 
Dichtung gegeben hat: „Poesie ist ein Beiseiteschieben des gewohn— 
heitsmäßigen Schauens, durch welches man mit Bewußtsein und 
Kraft eine uns vertraute Erscheinung zum ersten Male voll 
genießt.“ Später aber ist sie in der symbolistischen Umdeutung 
lebensvoller Wirklichkeit weiter gegangen; im „Rangierbahn— 
hof“ (1896) wirkt bereits alles Greifbare, jede konkrete Er— 
scheinung nur als Statthalter noch von Korrelaten einer 
höheren, tieferen und reineren Welt, die hinter den Dingen 
wogt und waltet. Und in „Adam und Eva“ oder „Halbtier“ 
(1899) vollzieht die Dichterin dann den Ubergang vom Sym⸗ 
bolischen ins fast allein Allegorische; und die Heldin des Romans 
erscheint ihr „als der Begriff des ewig bedrückten Weibes, des 
geistesberaubten, unentwickelten Geschöpfes, dem alles geboten 
werden darf, das alles hinnimmt“. Natürlich verschwindet, 
je mehr die Allegorie eintritt, um so mehr jede Charakter— 
zeichnung, und die Personen werden Schemen, Gestelle mit 
darüber drapierten Begriffen. Zugleich sinkt die Kraft der 
realistischen Schilderung, und an ihre Stelle tritt eine „groß— 
artig stilisierte Kunstprosa voll prächtiger Einzelheiten“ (Meyer). 
Mit der vollen Entfaltung der psychologisch- oder gar 
neurologisch-symbolistischen und schließlich allegorisierenden Er— 
zählung ist einer der Pole moderner psychologischer Erzählungs— 
kunst erreicht. Hinter der Erzählung tritt hier schließlich der 
Erzähler immer mehr mit seinen Stimmungen und seinen 
Hoffnungen, seinem Glauben und seinem Zweifel hervor: nicht 
zufällig sind die letzten und äußersten Erzeugnisse dieser Richtung 
fast nur noch subjektive Bekenntnisse der Dichter und noch
	        
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