Full text : Wirtschaft als Leben

Der  Stoff  der  Sozialwissenschaft,  I,  B.

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unser  Denken  übernommen  wird.  Dieses  Sein  geht  für  uns  notwendig
in  Erscheinungen  auf;  wir  denken  in  diesem  Falle  also
phänomenologisch.  Sobald  sich  unser  Denken  aber  des  Erlebten
seinem  anschaulichen  Zusammenhang  nach  bemächtigt,  dann  übergeht ­
  der  Sinn  der  Wirklichkeit  in  unser  Denken.  Dieser  „Sinn“  hier
ist  absolut  nicht  metaphysisch  gemeint;  er  ist  nicht  etwa  der  „Sinn
der  Welt“.  Es  ist  vielmehr  der  Sinn,  der  dem  Erlebten  für  uns,  die
wir  die  Erlebenden  sind,  dadurch  innewohnt,  daß  wir  schon  auf  anschaulichem ­
  Wege  die  Einsicht  besitzen,  wie  das  in  sich  zusammenhängt, ­
  was  wir  erleben  —  ein  Sinn  also,  den  nicht
unser  Denken  erst  in  das  Erleben  hineinlegt,  sondern  unmittelbar  aus
dem  Erleben  entnimmt,  für  unser  Denken  gleichsam  als  der  Kern
dessen,  dem  die  Erscheinungen  die  Schale  sind.  In  diesem  zweiten
Falle  denken  wir  daher  anders  denn  phänomenologisch  über  die  Wirklichkeit: ­
  wir  denken  noetisch  über  sie.  Die  Aussage  „Der  Leser
liest  diese  Zeilen“  ist  von  der  noetischen  Denkweise  getragen;  wahrend
in  der  Feststellung  der  „Augenbewegung“,  oder  des  „Vorstellungsverlaufes“ ­
  in  unserem  Bewußtsein,  die  phänomenologische  Denkweise  geschäftig ­
  ist.
jene  n  o  e  t  i  s  c  h  e  Denkweise  steht  unserem  Interesse  voran,  weil
es  unter  anderen  auch  die  Sozial  Wissenschaft  ist,  die  sich  ihrer
bedient.  Gründet  sich  diese  Wissenschaft  doch  ausnahmslos  auf  Aussagen ­
  vom  Typus  A;  Subjektbekundungen  allein  sind  ihr  die  Erfahrungsgrundlage. ­
  Gerade  dadurch  wird  es  zur  empirischen
Außenseite  dieser  Wissenschaft,  daß  sie  nur  mit  dem  Handeln  und
Leiden  und  deren  Relationen  zu  tun  hat.  Bei  dieser  Lage  der  Dinge
spielt  aber  ein  eigenes  Verhängnis  herein,  das  uns  begreiflich  macht,
weshalb  das  Verständnis  unserer  Wissenschaft  immer  noch  so  dürftig  ist.
Vergessen  wir  nicht:  die  Wirklichkeit  mit  Aussagen  nach  dem
Typus  A  aufzugreifen,  sie  also  ihrem  Sinne  nach,  noetisch  zu  bewältigen, ­
  entspricht  ja  dem  ganz  natürlichen  Gebaren  von  uns,  as
Denkende,  da  wir  uns  inmitten  der  Wirklichkeit  fortwährend  als  S  u  b
jekte  unter  Subjekten  zurechtfinden  müssen.  Daher  der  hausbackene, ­
  alltägliche  Charakter  der  Aussagen  vom  Typus  A.  Umgekehrt
ist  das  phänomenologische,  das  Denken  in  den  Aussagen  vom  ypus
F  und  C,  ein  ausgesprochenes  Kunstdenken.  s  eginnt  zwar
schon  unser  Handeln  selber  damit,  uns  für  dieses  künstliche  Denken
zu  schulen;  zur  Reife  gedeiht  dieses  phänomenologische  Denken  doch
erst  innerhalb  der  Naturwissenschaft.  Von  dorther  übernimmt
unsere  Betrachtung  dieses  phänomenologische  Denken  zugleich  mit  dem
Eindruck,  daß  es  das  recht  eigentlich  „wissenschaftliche“  Denken  wäre
            
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