Full text : München als Industriestadt

stadt  weist  auch  einen  ganz  erheblichen  Anteil  des  Verkaufes
von  Nymphenburger  Arbeiten  auf.  Die  Rohprodukte  kommen
zum  geringsten  Teil  aus  Bayern;  sie  werden  meistens  aus
Norwegen  und  Schweden,  auch  von  dem  näheren  Böhmen,
bezogen.  Bemerkenswert  ist,  daß  der  Betrieb  alle  Abfälle
wiederverwendet  und  so  eine  Einbuße  des  kostbaren  Materials
nicht  erleidet.
Weit  zurück  bis  in  die  Morgenstunden  aller  Menschenkultur ­
  an  den  Ufern  des  Nils,  wo  kunstfertige  Handwerker
aus  Quarzsand  Glas  bereiteten  und  bemalten,  reicht  die  Geschichte ­
  der  Glasmalkunst.  Die  Beziehungen  Bayerns
zur  Glasmalerei  ragen  an  Alter  und  Bedeutung  vor  anderen
Ländern.  Empfängt  jene  weltbekannte  Stiftung  von  Fenstern
für  die  Abteikirche  zu  Tegernsee  um  die  Jahrtausendwende  im
Lichte  der  Entwicklungsgeschichte  eine  modifiziertere  Bedeutung ­
  als  man  ihr  sonst  zuzuschreiben  pflegt,  so  bleibt  für
immer  bestehen,  daß  Bayern  an  zwei  Marksteinen  der  herrlichen ­
  Kunst  führend  vorangegangen  ist:  eben  um  das  Jahr
1000,  wie  zu  Beginn  des  vorigen  Jahrhunderts,  als  es  galt,
den  verstummten  goldenen  Mund  der  Glasmalerei  wieder  zu
öffnen.  In  München  speziell  fand  Sigismund  Frank  königliche ­
  Huld  und  Unterstützung,  um  die  verloren  gegangenen
Geheimnisse  des  farbigen  Hüttenglases  neu  zu  entdecken.
Bayerns  Herrscherhaus  hat  für  die  wiedererwachende  Kunst
eine  eigene  staatliche  Anstalt  geschaffen,  die  später  in  die
Hände  des  um  die  moderne  Glasmalerei  hochverdienten  Max
Ainmiller  und  nach  dessen  Tod  auf  Herrn  F.  X.  Zettler  überging, ­
  welcher  aus  dem  Mutterinstitut  der  Glasmalerei  alles
für  sein  „Institut  für  kirchliche  Glasmalerei“  erwarb.  König
Ludwig  I.  verlieh  nun,  gleichsam  um  die  Tradition  der  einstigen
Glasmalerei  nicht  schwinden  zu  lassen,  dem  jungen  Zettlerschen
  Institute  den  Titel  einer  „Kgl.  Hofglasmalerei“  und  zwar
wurde  dieser  Titel  nicht,  wie  sonst  üblich,  dem  Inhaber,
sondern  dem  Institut  als  solchem  verliehen.  Die  kgl.  bayr.
Hofglasmalerei  F.  X.  Zettler  hat  auch  in  dem  vergangenen ­
  Dezennium  das  gehalten,  was  sie  bei  ihrer  Gründung ­
  versprochen  hat  und  was  ihr  bei  ihrem  30  jährigen  Bestehen ­
  gutgeschrieben  worden  ist.  Sie  stellt  einen  wichtigen
            
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