Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

4.  Der  Kapital-  und  Geldmarkt.

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Man  erkennt  deutlich  die  entscheidenden,  eben  besprochenen
Änderungen,  vor  allem  bei  dem  Konjunkturwandel  um  die  Jahrhundertwende ­
  und  in  den  Jahren  1907—1909.  In  diesen  Perioden
geht  die  Höhe  der  bis  dahin  gewährten  Kredite  beträchtlich  zurück,
z.  T.  erfährt  die  bis  dahin  starke  Zunahme  eine  Verminderung.  Vor
allem  in  den  Jahren  1901—1902  ist  deutlich  zu  beobachten,  welch
großen  Rückgang  der  Akzept-  und  Wechselumlauf,  der  Betrag  der
Debitoren  und  die  Einnahmen  aus  Zinsen  erfahren  haben.  Ein
ähnliches  Bild  kann  man  dann  auch  bei  den  Konjunkturrückgängen
der  folgenden  Jahre  beobachten.  Man  muß  jedoch  immer  im  Auge
behalten,  was  oben  schon  mehrfach  betont  worden  ist,  daß  es  sich
bei  dieser  Entwicklung  der  Bankgeschäfte  um  einen  stets  wachsenden
Umfang  derselben  handelt,  daß  also  unter  Berücksichtigung  dieser  Tatsache ­
  schon  ein  Stillstand,  oder  eine  Abnahme  dieses  Zuwachses
als  ein  relativer  Rückgang  unter  dem  Einfluß  der  Konjunktur  zu
betrachten  ist.
Mit  diesen  hier  betrachteten  Geschäftszweigen  der  Banken  sind
keineswegs  alle  erschöpft,  bei  welchen  sich  im  Wandel  der  Konjunktur ­
  Änderungen  vollziehen.  Das  Gesagte  genügt  jedoch,  um  zu
zeigen,  welch  großen  Einfluß  der  Wandel  der  Konjunktur  auf  die
Lage  der  Kreditbanken  ausübt.  Freilich  ist  im  Wandel  der  Konjunktur ­
  die  Tätigkeit  der  Kreditbanken  ebenso  wenig  eine  lediglich
passive,  wie  die  der  Notenbanken.  Denn  aus  dieser  Entwicklung
ergeben  sich  für  die  Kreditbanken  ganz  bestimmte  Aufgaben  und
in  der  Erfüllung  dieser  Aufgaben  können  sie  dann  auch  einen
starken  Einfluß  auf  den  Gang  der  Konjunktur  ausüben.
Bei  der  Darstellung  der  Aufgaben  und  Verhältnisse  der  deutschen ­
  Reichsbank  war  ja  schon  davon  die  Rede  gewesen,  daß  diese,
um  das  Deckungsverhältnis  nicht  zu  ungünstig  werden  zu  lassen,
eine  bestimmte  Diskontpolitik  zu  treiben  gezwungen  ist.  Da  damit
eine  Verteuerung  des  Kredits  eintritt,  so  muß,  was  ja  auch  vielfach ­
  der  Zweck  der  Diskonterhöhung  ist,  damit  auch  ein  eindämmender ­
  Einfluß  auf  die  Nachfrage  auf  dem  Geldmarkt  und
damit  auch  auf  den  weiteren  Gang  der  Konjunktur  ausgelöst  werden.
Einen  ähnlichen  Vorgang  können  wir,  wenn  auch  in  wesentlich
anderen  Formen,  bei  den  Kreditbanken  beobachten.  Auch  die  Kreditbanken ­
  müssen  darauf  achten,  daß  ihre  Liquidität  gewahrt  wird!
Darunter  versteht  man  die  Forderung,  daß  der  Grundsatz  der  bankmäßigen ­
  Deckung  eingehalten  wird,  d.  h.,  daß  vor  allem  die  kurzfristigen ­
  Verbindlichkeiten  durch  kurzfristige  Guthaben  gedeckt  sind.
Man  hat  schon  mannigfache  Versuche  gemacht,  das  Maß  der  zu
einem  bestimmten  Zeitpunkte  vorhandenen  Liquidität  zu  berechnen^
            
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