Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

211

4.  Die  Prognose  des  IConjunkturwandels.

tragen  und  damit  eindämmend  auf  die  Börsenspekulation  (Börsenkredite, ­
  Reports)  einwirken.  Für  die  Kursentwicklung  der  führenden ­
  Aktienwerte  in  dieser  Zeit  gibt  die  folgende  Aufstellung  ein
Bild.

Es  betrugen  die  Durchschnittskurse  folgender  Aktien  an  der
Berliner  Börse  itn  Jahre  1906:

September

November

Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft  .  .

214,59

211,44

Gelsenkirchen  Bergwerks-A.-G

225,09

222,12

Phönix  Bergwerks-A.-G

216,41

206,79

Westphälische  Drahtindustrie  ....

216,69

205,97

Berlin-Anhalter  Maschinenfabriken  .  .

214,67

211,24

Bochumer  Gußstahl

244,45

235,69

Deutsch-Luxemburgische  Bergwerks  -  Ges.

217,13

197,78

Ludwig  Loewe  &  Co

279,23

276,35

Orenstein  &  Koppel

230,16

226,18

Rheinische  Stahlwerke

200.24

194.47

Wanderer  Fahrräder

281,49

267,75

Goncordia  Spinnerei

211,61

207,61

Die  Kurse  der  betrachteten  Wertpapiere  beginnen  also  im  Herbst
deutlich  abzubröckeln.  Noch  im  September  1906  hatte  der  Durchschnittskurs
  aller  an  der  Berliner  Börse  notierten  Dividendenpapiere
162,66  betragen  und  ging  dann  in  den  folgenden  drei  Monaten  auf
154,63,  155,19  und  154,89  zurück.  Dieser  Kursrückgang  wird  noch
deutlicher,  wenn  man  ihn  mit  der  Entwicklung  des  Vorjahres  vergleicht. ­
  Also  trotz  der  industriellen  Hochkonjunktur  und  der  zum
Teil  erhöhten  Dividenden  ein  Rückgang  der  Kurse.  Darauf  war
einmal  die  Spannung  am  Geldmärkte  von  Einfluß.  Denn  sie  mußte
ernüchternd  auf  den  Optimismus  der  Börsenspekulation  einwirken,
auch  auf  diejenigen  Kreise,  welche  ohne  Inanspruchnahme  von  Bankkredit ­
  hier  ihre  Geschäfte  betrieben.
Es  war  nicht  nur  die  Reichsbank,  welche  damals  mit  ihrem
Diskontsatz  in  die  Höhe  gehen  mußte,  nicht  nur  auf  dem  deutschen
Geldmarkt  zeigten  sich  diese  gespannten  Verhältnisse,  auch  die  Bank
von  England  war  im  Oktober  des  gleichen  Jahres  ebenfalls  mit  ihrem
Satz  auf  6  o/o  heraufgegangen,  was  an  den  deutschen  Börsen  auch
eine  lebhafte  Beunruhigung  hervorrief.  Auch  in  Amerika  begannen
sich  die  Verhältnisse  am  Geldmärkte  zuzuspitzen.  Mit  dieser  Erhöhung ­
  des  Diskontsatzes  der  Reichsbank  stieg  auch  der  Privatdiskont. ­
  Hatte  er  in  Berlin  im  Durchschnitt  des  Jahres  1904  noch
3,22  o/o  betragen,  im  Jahre  1905  3,47  o/ 0 ,  so  ging  er  im  Durchschnitt
des  zweiten  Halbjahres  1906  auf  4,20  o/ 0  herauf.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.