Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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so handelt es sich hier um finanz wirtschaftliche (fiskalische) und 
volks (= national)wirtschaftliche Interessen. 
„Wir müssen bei der Untersuchung der kriegswirtschaftlichen Probleme 
den Bedarf an Gütern von dem Bedarf an Zahlungsmitteln unterscheiden... 
Alle Schwierigkeiten, die daher rühren, daß kein Geld vorhanden ist, gehören 
auf ein anderes Blatt‘“ (erg.: als die Schwierigkeiten, die sich aus dem Waren- 
nangel ergeben). „Ihre Lösung ist eine Frage der Wirtschaftsorganisation ... 
Viele Institutionen werden im Kriege abgeändert, die sich dann auch in 
Friedenszeiten als vorteilhaft erweisen und vielfach weiterhin bestehen 
bleiben... Die Umwandlung von geldwirtschaftlichen Institutionen in natu- 
valwirtschaftliche, die Schaffung von Organisationen zur raschen Bedürfnis- 
befriedigung können fast immer auf allgemeinen Beifall rechnen, wenn sie 
ohne Umwälzung der sozialen Ordnung vorgenommen werden“ (Kriegs- 
wirtschaft, S. 15). 
tt. Schon der bei Kriegsausbruch drohende „run auf die 
Banken“, die Gefahr, daß „die Gesamtheit des Publikums auf Um- 
wegen sich selbst die Kredite kündigt (Neurath), macht Ver- 
waltungsmaßnahmen des Staates erforderlich, wie Sperrung der 
Bankguthaben und Förderung des bargeldlosen Zahlungs- 
verkehrs. 
Neurath fordert noch weitergehend den überhaupt „geldlosen 
Verkehr‘, insbesondere die Schaffung von „uneinlöslichem Girogeld‘: Er- 
laß eines Moratoriums (allgemeinen Zahlungsverbotes), das jedoch den Ver- 
sehr mit Verrechnungsschecks zuläßt, und Bildung eines Konsortiums aller 
zroßen Banken, mit der „Notenbank an der Spitze, das für alle Einlagen 
zemeinsam haftet und Überweisungen von Konto zu Konto zuläßt mit der 
ausdrücklichen Bestimmung, daß eine Barabhebung nicht erfolgen darf‘ 
(Kriegswirtschaft, S. 114). 
Von der Entwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs 
wieder erwartet Neurath „nicht nur die Entthronung des Goldes“, 
sondern auch, daß er „die Entthronung des Geldes anbahnen 
hilft“. 
„Das Geld, wohl ursprünglich meist ein Geschöpf des Außenhandels, 
irang vor Jahrtausenden in die in verschiedenem Maßstabe organisierten 
Naturalwirtschaften ein. Es wirkte bald befreiend, bald zerstörend. Hatte 
23s früher die Fernsten zu Nächsten gemacht, so machte es dann die Nächsten 
zu Fernsten, schuf Mitglieder derselben Gemeinschaft zu Konkurrenten und 
Gegnern um.‘ (Vollbrachte dies das Geld als solches? oder nicht bloß sein 
Gebrauch im Sinne der auf dem Konkurrenzprinzip aufgebauten Wirtschafts- 
ordnung, deren technisches Hilfsmittel es war? Darf man so weit gehen zu 
behaupten, daß das Geld seinerseits für die Entstehung der Konkurrenz- 
wirtschaft die Ursache war?) „Erst die Entstehung minderwertigen 
Geldes machte es wesentlich von gesellschaftlicher und staatlicher Geltung 
abhängig und trug zu seiner Sozialisierung bei. Ihren Höhepunkt erreicht die- 
selbe durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr. welcher die ohnehin im Gange
	        
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