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Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die Organisation
Jassen den Kommunismus recht mannigfaltig erscheinen. Kenn-
zeichnend ist für ihn nur der vollkommene Ersatz der Konkurrenz
wirtschaftlicher Sonderinteressen durch die „gegenseitige Hilfe“
(Kropotkin); gleichgültig dagegen, ob dieses Verhältnis seiner-
seits auf freier Vereinbarung beruht oder „von oben her“ ge-
sichert ist. Im letzteren Falle haben wir es mit zentralistischem
oder autoritärem Kommunismus zu tun. Dieser betont be-
sonders stark die Gleichheit der Glieder der Gesellschaft, die
nötigenfalls zwangsweise herbeigeführt werden soll.
Das typische Beispiel des ‚Zuchthaus-Zukunftsstaats‘‘ — auch zu
ıhrem „Glück'‘ kann man die Menschen zwingen — gibt Cabet in seiner
„Reise nach Ikarien‘‘: „Stelle Dir zuerst vor, . .. daß es in allem, was die
Ernährung betrifft, überhaupt nichts gibt, was nicht durch das Gesetz
geregelt wäre. Dieses allein gestattet oder hindert jegliche Ernährung. Ein
von der Volksvertretung eingesetzter Sachverständigenaus-
schuß hat unter Mitwirkung aller Bürger das Verzeichnis aller bekannten
Nahrungs- und Genußmittel aufgestellt, mit der Angabe, welche gut und
welche schlecht und welches die guten oder schlechten Sorten eines jeden sind.
Der Ausschuß hat noch mehr getan: unter den guten‘‘ (Lebensmitteln) „hat er
die notwendigen, nützlichen und nur angenehmen unterschieden und dann
das Verzeichnis in mehreren Bänden drucken lassen, von denen jede Familie
ein Exemplar hat. Man hat noch mehr getan: man hat die passendsten
Zubereitungsarten für jedes Nahrungsmittel angegeben, und jede Familie
besitzt daher ihr Kochbuch.‘ Der Staat läßt nur die verzeichneten Lebens-
mittel ‚,durch seine Bauern und Arbeiter herstellen, . . . zuerst die notwendigen,
dann die nützlichen und dann die angenehmen und alle in möglichster Fülle,
Er verteilt sie unter alle gleichmäßig, so daß jeder das-
selbe Maß eines jeden Lebensmittels erhält, wenn es für alle ausreicht; wenn
gs irgend einmal — in einem Jahr oder an einem Tag — nur für einen Teil
der Bevölkerung ausreicht, erhält jeder erst etwas, wenn die Reihe an ihn
kommt. Jeder hat also einen unterschiedsios gleichen Anteil an allen Lebens-
mitteln, vom gröbsten bis zum feinsten Leckerbissen, und das ganze ikarische
Volk ist ebenso gut, wo nicht besser ernährt als die reichsten der anderen
Länder'‘ (S. 52/53). — Wie mit der Ernährung, so steht es in Ikarien auch
mit der Kleidung, Wohnung (Häuser und Möbel), Erziehung, — ja mit allem,
was in den Kreis des menschlichen Kulturlehens fällt: überall zwangsläufige
gleichmäßige Verteilung.
Tugan-Baranowsky bemerkt abweichend davon, daß die
zwangsweise Verteilung und vor allem die „qualitative und quan-
titative Gleichheit der Konsumption“ jedenfalls nur ein Grundsatz
der Verteilung sei, und zwar der „für die nächste Zukunft. Aber
der Kommunismus stellt auch ein höheres Prinzip der Verteilung
— Freiheit der Konsumption“.