Was Tugan hier vom „idealen Geld“ fordert, sind genau
dieselben Aufgaben, durch die oben (2. Kapitel) die gesellschafts-
wirtschaftliche Dienerrolle des Geldes genauer umschrieben wurde:
Preisausdrucks- und Umtauschmittel zu sein. Der Unterschied
gegenüber der dort berücksichtigten Konkurrenzwirtschaft liegt
nur in den „festen Preisen“. Seinem Wesen nach ist das Geld
auch im heutigen Wirtschaftsverkehr nur ein Mittel, die Preise zu
beziffern, in Zahlen auszudrücken, und nur auf dem Umweg
über die Einzelwirtschaften nimmt es tatsächlich auch auf die
Preisbildung Einfluß (vgl. oben 3. Kapitel), Im Kollektivismus
würde, die Tugansche Preisfestsetzung vorausgesetzt, diese Beein-
flussung ausgeschlossen sein, die tatsächlichen Geldfunktionen also
auf die gesellschaftliche Dienerrolle beschränkt bleiben. Das Geld
wäre nicht aufgehoben, sondern nur „wesentlich“ geworden; das
ist es, was Tugan durchaus zutreffend mit der Bezeichnung
„ideales Geld“ sagt. Es entsteht nun aber,die Frage, die man
paradox so stellen kann: Ist dieses wesentliche Geld nicht gänz-
lich — unwesentlich, d. h. besteht überhaupt ein Bedürfnis, die
„festen Preise in bestimmten Werteinheiten auszudrücken‘?
Und was für eine Werteinheit ist es, die der Preisfestsetzung
zugrunde liegt? Die kapitalistische Wirtschaft bedarf einer solchen
Werteinheit nur zum Ausdruck des Preises, nicht zu seiner Fest-
setzung, da der Preis sich hier am Markte durch das Spiel von
Angebot und Nachfrage regelt; der Kommunismus andererseits
verzichtet grundsätzlich auf die Preisbildung überhaupt, da sie sich
in einer durchorganisierten Naturalwirtschaft mit umfassendem
Wirtschaftsplan erübrige. Wie kommen nun aber im Kollektivis-
mus die „festen Preise“ zustande, und welche Rolle spielt dabei
das Geld? Das ist die Frage, die uns hier beschäftigt.
Es ist das dieselbe Frage, die Adolph Wagner mit der Bemer-
kung andeutet, daß „im Grunde eben auch im Problem des Geldes alle großen
sozialistischen Probleme der Produktion, Verteilung, Wertbestimmung
stecken, von denen keines auch nur ausreichend gedankenmäßig, geschweige
für praktische . . Ausführbarkeit gelöst ist‘ (S. 142).
IL
Die freie Verkehrswirtschaft ist ein Ineinandergreifen vieler
Einzelwirtschaften. Produzenten und Konsumenten stehen sich am
Markt als Anbietende und Nachfragende gegenüber. Der kapita-
listische Einzelwirt wird stets Waren oder Dienste anbieten und
nach beiden nachfragen; im Kollektivismus gibt es dagegen nur
Angebot von Waren und Nachfrage nach Arbeitskraft seitens der