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entwickelte sich rasch. Im Jahre 1873 wurden bereits
100000 kg künstliches Alizarin produziert. 1877
wurde die ehemalige Höchstmenge des Pflanzen
produktes von 750000 kg überschritten. 1884 stieg
die Produktion auf 1350 000 kg und erreichte zu
Anfang des neuen Jahrhunderts die Höhe von
2 Millionen k'g, wovon vier Fünftel auf Deutschland
entfallen. Der Krappbau, der 1870 in Frankreich, dem
Hauptproduktionslande, dem Lande der roten Militär
hosen, über 20 000 Hektar bedeckte, hatte bereits nach
wenigen Jahren aufgehört.
War das Prinzip der Darstellung dieses kostbaren
Farbstoffes einmal entdeckt, so Hess es sich die Industrie
I nicht nehmen, aus dem Anthrazen zahlreiche ähnliche
Farbstoffe darzustellen, die ihm an Lichtechtheit und an
Schönheit nicht nachstehen, zum Teil aber übertreffen.
Die Zahl der heute auf dem Markt befindlichen bunten
Anthrazen- Anthrazenfarben, die in allen Tönen vom Orange
färben zum Q e jb } Purpur, Blau und Braun bis zum tiefsten
Echtschwarz gehen, ist sehr bedeutend. Als besonders
unzerstörbar am Licht mögen die Indanthrenfarbstoffe
von R. Bohn, die in Echtheit und Schönheit den Indigo
übertreffen, und die in allen Nuancen auftretenden Algol-
und Helindonfarben genannt werden. Die deutsche Aus
fuhr aller Anthrazenfarbstoffe beträgt gegenwärtig
12 Millionen kg (in Pasten verschiedener Konzentration)
im Werte von ca. 20 Millionen Mark.
Eosinfarben Wir schlagen ein anderes Blatt der Geschichte auf
und befinden uns in der Mitte der siebziger Jahre. Wir
erfahren von einer neuen Gruppe, den von Adolf
von Baeyer entdeckten Eosinfarben, die ohne die für
die Alizarinfarben nötige Beize direkt Wolle und Seide
anfärben und überraschend schöne Färbungen von den