Object: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Zugeständnisse an Methoden der‘ besseren Verschleierung 
Jes Zieles darstellen; soweit die Aeußerungen ehrlich sind, 
stellen sie nur Produkte der Erkenntnis und des Willens 
dar, die deutsche Wirtschaft zwar zur Uebernahme durch 
den Sozialismus reif zu machen, sie aber nicht nach russi- 
schem Muster ganz zu erschlagen und. dadurch den So- 
zialismus mit einem zu schweren Erbteil zu belasten. 
Gerade mit dieser Taktik sind die besten Erfolge im Sinne 
des Sozialismus erzielt worden; instinktiv werden sie von 
der breiten Masse verstanden; gerade die Erfolge dieser 
Methodik sind es gewesen, die innerhalb der Sozialdemo- 
kratie und der freien Gewerkschaften die Kritik der Oppo- 
sition nicht zur praktischen Durchsetzung haben kommen 
lassen. Welche Ziele aber in Wirklichkeit verfolgt werden, 
zeigen Aeußerungen des preußischen Innenmini- 
sters Grzesinski in’ Plön am 21. April 
1929, der sagte: „Je mehr wir die Verwaltung des Staates 
für uns. erobern, desto mehr wird sich die Machtstellung 
des Staates auch in Wirtschaftskämpfen in ihren Auswir- 
kungen für die Arbeiterschaft zeigen.“ Noch deutlicher 
war in Magdeburg Hans Vogel bei Erstattung des 
Parteivorstandsberichtes, in dem ausgeführt wurde, daß 
„Demokratisierung der Wirtschaft schrittweise Beseitigung 
der Herrschaft sei, die sich auf dem Kapitalismus aufbaue“. 
Wie der Begriff Demokratie auigefaßt wird, ist auf dem- 
selben sozialistischen Parteitag mit nicht zu überbietender 
Deutlichkeit vom jetzigen Reichskanzler Müller 
dargelegt worden, der in Erinnerungen an „unsere großen 
Vorgänger‘ ganz offen von der „Republik als Kampf- 
boden für die Errichtung des Sozialismus“ 
sprach: ähnlich äußerte sich auch noch Wels, der in 
seinem Schlußwort sagte: „Wir tun alles für die 
Arbeiterklasseundnichtsfür die BourgeOoi- 
sie.“ Diese Aeußerungen sollten genügen. 
Diesem . Vordringen des Sozialismus‘ gegenüber befin- 
det sich das Unternehmertum in völliger Defensive: 
diese Defensive gilt auch für den heute besonders schwieri- 
zen und deshalb um so notwendigeren Kampf um. die 
öffentliche Meinung, der ebenfalls vorwiegend defensiv ge- 
führt wird. Während die Gewerkschaften und die Links- 
parteien mit aller Offenheit die Erringung der politischen 
Macht als ihr Ziel proklamieren, wird in Unternehmer- 
kreisen hauptsächlich auf der berühmten „mittleren 
Linie“ gefochten; der Kompromiß wird beinahe als un- 
abänderliches Naturgesetz aufgefaßt, wobei völlig ver- 
vessen wird, daß mit dieser Methode noch kein Anhänger 
des Marxismus bekehrt worden ist und daß alle Kompro- 
misse trotz vorübergehender einzelner taktischer „Er- 
rungenschaften‘“. letzten Endes nur das Kampffeld 
des Marxismus verbreitert haben; besonders bedauerlich 
ist, daß diese Passivität und diese Defensive eine immer 
stärker sich ausprägende‘ Schwächung des Per- 
sönlichkeitsgedankens und eine ‚entsprechende 
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