Full text: Die Frau und die Arbeit

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V. GESCHLECHTSUNTERSCHIEDE 
enn wir die physischen Geschlechtsphänomene beim 
w Menschen untersuchen, so finden wir in den aller 
ersten Lebensstadien, im Keim, keine mit den uns bisher 
zur Verfügung stehenden Mitteln erkennbaren Unterschiede 
zwischen jenen Keimen, aus denen sich ein männliches, 
und jenen, aus denen sich ein weibliches Wesen entwickeln 
soll. Später, beim Fötus, bei der Geburt und während der 
Kindheit, bilden die Geschlechtsorgane wohl die Erken 
nungszeichen der Geschlechter, aber Bau und Tätigkeit 
des Organismus unterscheiden sich im allgemeinen wenig 
oder gar nicht nach dem Geschlecht. 
Selbst dann, wenn die Pubertät erreicht ist und die 
enorme Entwicklung des sexuellen und Fortpflanzungstrie 
bes die betreffenden Teile umbildet und gewisse sekundäre 
Geschlechtsmerkmale hervorbringt, wird der größte Teil 
der menschlichen Organe und ihrer Funktionen durch die 
geschlechtlichen Veränderungen wenig oder gar nicht be 
einflußt. Auge, Ohr, Tastsinn, die Verdauungs-, Atmungs 
und Willensorgane sind in der Hauptsache gleich und oft 
unter Personen desselben Geschlechtes abweichender als 
zwischen solchen verschiedenen Geschlechtes. Selbst am 
Seziertisch sind oft die Zellgewebe von männlichen und 
weiblichen Körpern nicht unterscheidbar. 
Erst wenn wir die Reproduktionsorgane selbst, ihre Form 
und Tätigkeit betrachten und jene Teile des Organismus, 
die mit ihnen in direkter Verbindung stehen, finden wir 
tatsächlich sich weitgehend voneinander unterscheidende, 
aber einander vollkommen ergänzende Merkmale. So wie 
wir uns den Reproduktionsorganen nähern, zeigen sich 
die Abweichungen des männlichen vom weiblichen Kör 
per, so wie wir uns davon entfernen, werden die Organe 
ähnlich oder ganz identisch. Nehmen wir das Auge, das 
vielleicht höchst entwickelte, komplizierteste Organ des
	        
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