Full text: Die Frau und die Arbeit

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flaumiges, rundes Nest aus dem weißen Flaum einer be 
stimmten Pflanze, und unmittelbar unter dem Eingang der 
Höhlung, in der das kleine Weibchen auf den Eiern sitzt, 
ist ein kleiner Sims oder Körbchen, wo das zierliche 
Männchen seinen Platz hat, um sein Weibchen zu behü 
ten und zu bewachen. Einige Vogelarten gibt es, bei denen 
die Äußerungen des Geschlechtslebens ihre harmonischeste 
und poetischeste Form auf Erden erreicht zu haben schei 
nen. Bei den polygam lebenden Hühnerarten andererseits, 
wo der Hahn viel größer und kampflustiger ist als die 
Henne, gewinnt dieser das Weibchen nicht durch Gesang, 
sondern faßt es mit Gewalt und zeigt wenig oder gar kein 
Interesse an seinen Jungen, beteiligt sich weder am Brüten 
noch am Füttern, ja packt manchmal sogar einen locken 
den Bissen, den das Junge oder die Henne entdeckt hat. 
Unter den Säugetieren ist das Männchen gewöhnlich et 
was größer als das Weibchen, obwohl nicht immer (die 
weiblichen Walfische beispielsweise sind größer als die 
männlichen); die Männchen pflegen auch kampflustiger 
und weniger sorgfältig gegen die Jungen zu sein, doch ist 
auch diese Regel nicht ohne Ausnahmen. Bei den süd 
afrikanischen Meerkatzen z. B. ist das Weibchen viel streit 
barer und schwerer zu zähmen als das Männchen, und es 
ist das Männchen, das vom Augenblick der Geburt an mit 
der leidenschaftlichsten und zartesten Sorgfalt über das 
Junge wacht, es unter seinem Körper warm hält, es in sei 
nem Maul an einen sicheren Ort trägt und es füttert, bis 
es ganz erwachsen ist. Und das nicht nur gegenüber seinen 
eigenen Jungen, sondern gegenüber jedem Jungen, das in 
seine Nähe gebracht wird. Wir hatten eine männliche Meer 
katze, die so ausdauernd ganz fremde Junge fütterte und 
ihnen jeden Bissen von ihrem eigenen Futter gab, daß wir 
sie beim Füttern allein in einen Raum sperren mußten, 
sonst hätte sie sich zu Tode gehungert. Während die 
männliche Meerkatze also genau jene psychischen Eigen-
	        
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