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VI. EINIGE EINWÄNDE
E s wird manchmal, öfters indirekt als in direkter, offener
Weise behauptet (denn diese Behauptung ist eine von
jenen, welche man kaum bestimmt aussprechen kann, ohne
daß sie in nichts zerfließen!), daß die Frauen auch in der
neu rund um uns her erstehenden Welt nicht nach Arbeits
feldern zu suchen brauchen, da sie ja immer noch ihre Auf
gabe als Gebärerinnen behalten, eine Aufgabe, die ihrem
eigenen Zeugnis nach eine aufreibende und gefährliche ist,
wenn die Frau sie auch liebt wie der Soldat die Schlacht.
Die Frau soll einzig ihre Geschlechtsfunktion erfüllen und
es dem Mann oder dem Staat überlassen, sie als die zum
Gebären Bestimmte zu erhalten, ob sie nun tatsächlich Kin
der zur Welt bringe oder nicht.*
Es ist nicht leicht, auf solche durchaus trügerischenTheorien
zu erwidern. Ganz abgesehen davon, daß alle Argumente
gegen den Klassen- und Rassenparasitismus ihnen widerspre
chen, heutzutage, wo noch mehr als die Hälfte aller müh
samsten und schlechtest bezahlten Arbeit der ganzen Welt
von Frauen verrichtet wird (vom Tee- und Kakaopflücken in
Indien bis zum Waschen, Kochen und all der Plackerei un
serer Arbeiterfrauen, für die neben der schwersten, end
losesten Arbeit das Kindergebären nur eine kleine Zu
gabe bildet), wo in einzelnen Ländern die Anzahl der
Frauen die der Männer um eine Million übersteigt, so daß,
wenn auch jeder Mann eine Frau zu erhalten hätte, noch
immer eine Million Frauen übrig bliebe, für die es keine le
gitime Geschlechtsverbindung gäbe, — ist es wirklich
sehr schwer, der Behauptung, „die Frauen mögen es sich
* Ein derartiger Vorschlag wurde, wie früher erwähnt, tatsächlich vor
einigen Jahren von einem englischen Schriftsteller gemacht; aber er war
klug genug, ihn nur auf die Frauen der oberen Klassen zu beziehen, da
gegen die Arbeiterinnen, die heute die Masse der Engländerinnen
bilden, all ihrer schlecht bezahlten Plackerei und gleichzeitig den Mühen
der Mutterschaft zu überlassen!