Contents: Borrowing and business in Australia

11 
Meere der Erde. Ausgezeichnete Kohlen- und Eisenerzlager usw., verbunden mit dem billigen 
Wasserwege, gaben Englands durch die Franzosenkriege fast unberührt gebliebenem 
Nationalreichtum Anreiz und Gelegenheit zu großartiger Wirtschaftsentfaltung. E n g l a n d s 
Jndn st rieund Handel w aren allenanderen überlegen. Der Hunger 
nachGetreide zwang, die Überlegenheit in Industrie und Handel ermöglichte 
England, Ende der 1840 er Jahre die Schutzzölle abzubauen und den Freihandel einzu 
führen. .England wollte von Europa Lebensmittel gegen Jndustriefabrikate tauschen. Das 
ging so lange, als diese Staaten nicht selbst zur Industrialisierung schritten und die Lebens 
mittelvorräte knapper wurden. 
In neuester Zeit, da die Konkurrenz des Deutschen Reiches sich auf englischem Boden 
selbst geltend machte, fanden die Bestrebungen nach Einführung von Schutzzöllen im englischen 
Volke mehr und mehr Anhänger. Man redet heute in England mehr als je von einem 
Größer-Britannien, das England selbst und alle seine Kolonien durch eine gemein 
same Zollgesetzgebung zu einem Wirtschaftsganzen von ungeheurer Größe und 
Macht zusammenfassen soll. Aber schon früher haben die Engländer Maßnahmen getroffen, 
die sich mit dem Prinzipe des Freihandels durchaus nicht vertragen. So hat man drüben, um 
die deutschen Waren vom englischen Markte auszuschließen, verlangt, daß auf denselben der 
Vermerk „Made in Germ an y" (gemacht in Deutschland) stehen müsse. Allerdings hat 
diese Maßregel ihren Zweck nicht nur versehlt, sondern das gerade Gegenteil bewirkt — sie 
wurde zum Ruhmestitel der deutschen Volkswirtschaft. Die englischen „Finanzzölle" führen 
der Staatskasse zirka 700 Millionen Kronen jährlich zu. So ist auch England, das gerühmte 
Paradies der Freihändler, durchaus nicht ein Land des klassischen Freihandels, sondern 
erfüllt von theoretischen und praktischen Schutzbestrebungen. 
Schutzzollsystem. 
Das S ch u tz z o l l s y st e tu (Protektionismus) geht v o m Vater- 
ländischen Standpunkte aus; nicht kosmopolitische Träumereien, 
sondern das tatsächliche Wohl des eigenen Vaterlandes 
in der G e g en w art ist ihm Ziel. 
Was verlangen wir vom Wirtschaftsleben? Arbeitsgelegenheit 
und Versorgung mit den nötigen Gütern zu entsprechenden Preisen. 
Die billigsten Preise aber nützen uns nichts, wenn wir sie inangels Verdienstes 
nicht bezahlen können. Das ist das ivichtigste und unerläßlichste Ziel aller 
Wirtschaftspolitik: Arbeitsgelegenheit, Verdienstmöglichkeit im Vaterlande. 
Diese Arbeitsgelegenheiten schaffen wir, indem wir die bestehenden Wirt 
schaftszweige erhalten und soweit als möglich zu größerer Entfaltung zu bringen 
suchen einerseits, indenr wir neue Wirtschaftszweige einführen andererseits. 
Und das wiederum ist ilur möglich, wenn wir unsere Volkswirtschaft schützen 
vor der Konkurrenz des Auslandes. Daher der Name Schutzzoll! Selbstverständ 
lich darf diese Schutzzollpolitik nicht ausarten in eine Begünstigung verhältnis 
mäßig weniger, die gleichzeitig die Ausbeutung der Massen bedeuten würde. 
Nach dem Gesamtwohl, nach dem volkswirtschaftlichen Vorteil muß die Zoll 
höhe bestimmt werden. 
Aufgaben der Handelspolitik. 
Wir wiederholen: Die Handelspolitik als ein Stück der Wirtschaftspolitik 
muß mit dazu beitragen, unser Vaterland dadurch möglichst st a r k 
zu machen, daß alle seine Bürger ihm durch die Schaffung von Arbeitsgelegen 
heit erhalten, und daß ihre Ersparnisse im Vaterlande bleiben und so dessen 
Finanzmacht verstärken, sowie dadurch unabhängig zu machen, daß
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.