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Individuum, wenn es die Notwendigkeit, neue Wege einzuschlagen,
neue Wahrheiten anzunehmen oder sich neuen
Verhältnissen anzupassen, erkennt und sich doch noch von
der Macht traditioneller Überzeugungen gefesselt fühlt.
Männer und Frauen, die ihr Leben den neuen materiellen
Verhältnissen anzupassen und mit den neuen Kenntnissen
in Einklang zu bringen suchen, sind manchmal fast gezwungen,
die Kontinuität ihres eigenen Seelenlebens zu
durchbrechen.
Aus diesen Verhältnissen erwächst auch die so oft bemerkte
Tatsache, daß die Kunst unserer Zeit entschieden
dahin neigt, sich mit subtilen sozialen, religiösen, politischen
und sexuellen Problemen zu beschäftigen, wie dies
in der Kunst der Vergangenheit nicht ihresgleichen hat.
Und es kann auch nicht anders sein, weil der Künstler, der,
dem künstlerischen Instinkt gehorchend, das treue Bild der
Welt um sich her entwirft, das zeichnen muß, was ihr innerstes
Wesen ausmacht. Das „Problemstück“, die „Problemdichtung“
ist in unserer Zeit so unvermeidlich, wie es
unvermeidlich war, daß die Dichter des elften Jahrhunderts
Turniere, Schlachten und Rittertum darstellten, weil
diese das herrschende Element in dem Leben rings um sie
her waren.
Auch ist es unvermeidlich, daß diese Leiden und Konflikte
sich in der schärfsten Weise gerade bei den fortgeschrittensten
Individuen unserer Gesellschaft geltend machen. Der
Schwimmer, der als erster in den gefrorenen Strom springt,
ist es, den das Eis am schärfsten schneidet; die nachfolgenden
finden es bereits gebrochen und der letzte überhaupt
nicht mehr. Die Männer oder Frauen, die als erste den
Pfad betreten, auf dem die Masse schließlich folgen wird, sie
sind es, die sich schließlich in einer Einsamkeit finden, in
der das Schweigen tödlich ist. Die Tatsache, daß jeder
Weg, auf dem menschliches Handeln zu einer Umwandlung
leitet, ebenso auch zu unmittelbaren Leiden führt, in