Object: Strukturwandlungen der Weltwirtschaft

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Bernhard Harms 
kann die Wirtschaftspolitik folgerichtig und planmäßig gestaltet werden. 
Bekanntlich hat die deutsche Wirtschafts-Enquete sich gerade 
diese Aufgabe gesetzt! 
Doch zum Ausgangspunkt zurück: isolierende Konjunkturtheorie, 
so unentbehrlich sie ist, darf schon vom raumwirtschaftlichen Stand- 
punkt nur als eines der Mittel angesehen werden, das Wirtschafts- 
leben in seinem Ablauf zu erfassen und zu ergründen. Wer sich dem 
verschließt und gar den Mut hat, aus der Enge seines Gesichtsfeldes 
Konjunkturprognose zu betreiben und der praktischen Geschäftswelt 
den Eindruck zu vermitteln, daß er über das Wetter in der nächsten 
Zeit mehr sagen könne, als daß es sich ändern oder so bleiben werde, 
der sei auch an dieser Stelle bewundert und angestaunt. Wie sehr 
derlei Konjunkturpropheten in die Irre gehen können, zeigt die jüngste 
Vergangenheit, Die leichte Belebung der Konjunktur in Deutschland 
ist, von andern zufälligen Ursachen abgesehen (z. B. Ankurbelung 
durch öffentliche Kredite), die Folge des englischen Bergarbeiterstreiks. 
Welcher Prognostiker will behaupten, daß er ihn vorausgesehen und 
in seiner Wirkung der Konjunkturprognose eingefügt habe?! Kurzum: 
Konjunkturforschung muß einerseits bescheidener, anderseits anspruchs- 
voller sein als die bisherige Theorie. Konjunkturen erforschen heißt, 
die gesamte Dynamik des Wirtschaftslebens und die Mannigfaltigkeit 
ihrer Verursachung ergründen. 
Erst recht gilt das Gesagte vom Standpunkt weltwirtschaft- 
licher Konjunkturforschung. Die heutige Konjunkturtheorie ist aus- 
schließlich nationalwirtschaftlich orientiert. Immer sind es bestimmte 
Volkswirtschaften, in denen Grad und Ablauf der Konjunktur beobachtet 
werden. Das ist durchaus zu verstehen, denn nach dem heutigen Art- 
charakter der Konjunkturtheorie ist ihre Ausweitung ins Weltwirt- 
schaftliche unmöglich. Denn was kann die Lehre vom volkswirtschaft- 
lichen Phasenzyklus über die heutige »Konjunktur der Weltwirt- 
schaft« sagen?! Man stelle sich vor: Mitteleuropa und England im 
Zustand der Krisis, Frankreich im Übergang von inflationistisch bedingter 
Hochkonjunktur zur Deflationskrisis, Italien in der Phase des Auf- 
schwungs, Rußland im »Idealzustande« der konjunkturlosen Wirtschaft, 
* Es ist sehr erfreulich, daß die vom Enqueteausschuß aufgestellte und im einzelnen 
begründete Terminologie: strukturell und konjunkturell (vgl.»W. A.«, XXIV [192611], 
S.259*) sich überraschend schnell durchgesetzt hat. Aus etlichen der allerjüngsten Publi- 
kationen gewinnt man sogar den Eindruck, daß es sich hier um Urväterhausrat handle. Möchte 
dies für die künftigen Erfolge der Enquete ein günstiges Omen sein! Sinngemäß hat übrigens 
Adolf Löwe schon im Jahre 1925 auf die unterschiedliche Bedeutung von »Konjunkturen- 
ablaufe und »Strukturveränderungen« aufmerksam gemacht und daraus für die weltwirt- 
schaftliche Forschung wichtige Konsequenzen gezogen (vgl. »W. A.«, XXI [1925 IN, S. 4)
	        
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