Full text : Die Frau und die Arbeit

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art  verändert,  daß  man  nicht  selten  Männer  in  Haus  und
Küche  arbeiten  oder  bei  Tisch  hinter  unseren  Stühlen
stehen  sieht  und  uns  Frauen  nichts  zu  tun  übrig  bleibt,  als
den  Bissen  zwischen  unsere  weiblichen  Lippen  zu  stecken.
Das  Heer  rosiger  Milchmägde  ist  dahin  für  immer,  um
den  Milchzentrifugen  und  den  größtenteils  von  Männerhänden ­
  bedienten  Buttermaschinen  Platz  zu  machen.  In
jeder  Beziehung  wird  mit  fortschreitender  Zivilisation  die
alte  Redensart,  daß  die  Bereitung  der  Lebensmittel  ausschließlich ­
  Sphäre  der  Frau  sei,  zur  veralteten  Lüge.
Selbst  die  untergeordneten  häuslichen  Beschäftigungen
werden  bald  nicht  mehr  in  den  Kreis  der  Frauenarbeit  fallen. ­
  In  den  modernen  Großstädten  läßt  man  durch  Maschinen ­
  oder  außerhäusliche,  oft  männliche  Arbeitskräfte  Teppiche ­
  klopfen,  die  Fenster  putzen,  die  Fußböden  bürsten.
Und  auch  bei  der  Herstellung  der  Bekleidung  greift  die
Veränderung  schon  viel  weiter,  als  bloß  auf  die  Vorrichtung ­
  des  Materials.  Schon  beginnt  die  Nähmaschine  im
Hause,  die  fast  ganz  die  alte  Nähnadel  verdrängt,  zu  veralten, ­
  und  die  Tausende  von  einer  Zentraldampfkraft  getriebenen ­
  Maschinen  der  Fabriken  versorgen  nicht  nur  Mann
und  Sohn,  sondern  die  Frau  selbst  mit  fast  allen  Einzelheiten ­
  ihrer  Kleidung  von  der  Unterjacke  bis  zum  Mantel.
In  den  wohlhabenden  Klassen  sind  männliche  Kostümzeichner ­
  und  Hunderte  männlicher  Schneider  und  Putzmacher ­
  daran,  dem  alten  Märchen,  daß  die  Herstellung
der  Gewänder  für  sich  und  ihre  Familie  ausschließlich
Aufgabe  der  Frau  sei  und  einen  Teil  ihrer  häuslichen  Arbeit ­
  bilde,  endgültig  den  Garaus  zu  machen.
Jahr  für  Jahr,  Tag  für  Tag  engt  sich  unmerklich,  aber
entschieden  die  Sphäre  weiblicher  Hausarbeit  mehr  und
mehr  ein,  und  diese  Einengung  schreitet  genau  im  Verhältnis ­
  mit  jenen  komplizierten  Tatsachen  fort,  die  wir
„moderne  Zivilisation“  heißen.
Sie  zeigt  sich  deutlicher  in  England  und  Amerika,  als  in
            
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