Full text : Die Frau und die Arbeit

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gezeigt,  ihre  eigenen  Frauen  untätig  oder  parasitisch  werden ­
  zu  lassen,  solange  die  zu  ihrer  Ernährung  und  Bekleidung ­
  nötige  Muskelarbeit  in  diesem  Falle  auf  sie  selbst
überwälzt  worden  wäre.
Der  Parasitismus  der  Frau  wird  erst  dann  eine  Möglichkeit, ­
  wenn  ein  Grad  der  Zivilisation  erreicht  ist,  bei  dem
(wie  in  den  alten  Kulturen  Griechenlands,  Roms,  Persiens,
Assyriens,  Indiens  und  in  den  heutigen  orientalischen,  wie
China  und  dieTürkei)  dank  der  ausgedehnten  Verwendung
von  Sklavenarbeit  oder  der  Arbeit  unterworfener  Stämme
oder  Klassen  die  herrschende  Rasse  oder  Klasse  so  reichlich ­
  mit  materiellen  Lebensgütern  versorgt  ist,  daß  die
rein  physische  Arbeit  von  seiten  der  eigenen  Frauen  unnötig ­
  geworden  ist.  Erst  wenn  dieses  Stadium  erreicht  war
und  niemals  vorher,  sind  die  Symptome  von  weiblichem
Parasitismus  in  der  Vergangenheit  fast  jedesmal  zutage
getreten  und  zu  einer  sozialen  Gefahr  geworden.  Die  Männer ­
  der  herrschenden  Klasse  suchten  fast  immer  die  neuen
geistigen  Beschäftigungen,  welche  durch  die  verminderte
Notwendigkeit  der  alten  Formen  physischer  Arbeit  innerhalb ­
  der  Gesellschaft  möglich  geworden  waren,  für  sich
in  Anspruch  zu  nehmen;  und  die  Frauen  der  herrschenden ­
  Rasse  oder  Klasse,  für  deren  Muskelarbeit  auch  keine
Verwendung  mehr  war  und  denen  es  nicht  gelang,  diese
neuen  Arbeitsformen  zu  ergreifen  und  zu  erreichen,  sanken
in  einen  Zustand,  in  dem  sie  keinerlei  Art  aktiver  sozialer
Pflichten  erfüllten,  sondern  allein  in  der  passiven  Erfüllung ­
  ihrer  Geschlechtsfunktionen  lebten.  Ob  mit  oder  ohne
Befriedigung,  darüber  können  wir  nichts  wissen,  da  wir
keine  literarischen  Aufzeichnungen  der  Frauen  der  Vergangenheit ­
  und  ihrer  Wünsche  oder  Sorgen  besitzen.  So
trat  an  Stelle  des  tätigen,  wirkenden  Weibes,  deren  Arbeit
die  Gesellschaft  erhielt,  die  erschlaffte  Ehef-au,  die  Konkubine ­
  oder  Prostituierte,  die  sich  in  feine  Gewänder,  dem
Werk  fremder  Hände  kleidete,  mit  kostbaren  Gerichten,
            
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