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selbe. Es ist der Typus der „feinen Dame“, des weiblichen
Parasiten, der tödlichsten Mikrobe, die auf der Oberfläche
irgendeines sozialen Organismus auftreten kann.* Wo immer
in der Geschichte der Vergangenheit dieser Typus seine
volle Entwicklung erreicht hat und die Masse der Frauen
einer herrschenden Rasse oder Klasse ihn angenommen
hat, war dies die Ankündigung des Verfalls. In Assyrien,
Griechenland, Rom, Persien, sowie heute in der Türkei
haben dieselben materiellen Bedingungen dieselben sozialen
Übel unter den wohlhabenden und herrschenden Klassen
hervorgebracht, und wieder und wieder, wo derartig
affizierte Völker in Berührung mit gesünder beschaffenen
kamen, hat dieser krankhafte Zustand zu ihrem Untergang
beigetragen.
Im antiken Griechenland, zur Zeit seiner wundervollen,
mannhaften Jugend, waren die Frauen reichlich und
selbst überreichlich mit Arbeit versehen. Nicht allein die
Masse der Frauen, sondern auch Königinnen und Fürstentöchter
sehen wir zum Brunnen gehen, um Wasser zu tragen,
im Flusse die Wäsche waschen, Nahrung und Arzneien
für den Haushalt bereiten, die Kleidung für ihre
Angehörigen anfertigen und selbst einen Teil der höchsten
gesellschaftlichen Ämter als Priesterinnen und Prophetinnen
ausüben. Dem Schoße solcher Frauen sind die
Geschlechter von Helden, Denkern und Künstlern ent*
Der Zusammenhang des allgemeinen weiblichen Parasitismus mit dem
speziellen Phänomen der Prostitution ist von fundamentaler Bedeutung.
Man kann sich nicht eingehend mit dem Problem der Prostitution weder
vom moralischen noch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus befassen,
ohne dessen Zusammenhang mit dem allgemeinen Phänomen des weiblichen
Parasitismus voll zu erkennen. Der Mangel dieser Erkenntnis ist
es, der so oft das peinliche Gefühl des Unreifen hinterläßt, wenn man
die meisten modernen Äußerungen über die Frage, sei es vom Gefühlsstandpunkt
des Moralreformers oder vom Intellektstandpunkt des wissenschaftlich
sein Wollenden, mit anhört. Man hat die Empfindung, daß sie
sich mit der Sache wohl befassen, sie aber nicht erfaßt, sie nicht
an der Wurzel gepackt haben.