geht. Das bloße Essen von Lachs, der zehn Schilling das
Pfund kostet, kann an sich die moralische, geistige und
physische Konstitution des Menschen, der ihn verspeist,
nicht mehr schwächen und verderben, als die seines nackten
Vorvaters, der sich den Lachs aus dem Flusse fischte.
Daß ein Mensch ein Kleid trägt, welches aus dem Gespinst
eines Wurms hergestellt wurde, kann die körperlichen Anlagen
ebensowenig verschlechtern, als wenn das Gewand
aus Schafwolle ist; ein ganzes Volk, das in Marmorpalästen
wohnt, Delikatessen speist, sich in Samt und Seide kleidet
und von den herrlichsten Erzeugnissen der Literatur und
Kunst umgeben ist, wird niemals dadurch entkräftet werden,
solange diese Paläste, Speisen, Gewänder und Kunstprodukte
das Resultat seiner eigenen Arbeit sind. Die verderbliche
Wirkung des Reichtums setzt erst genau in dem
Moment, niemals früher ein, in welchem die Beschaffung
der materiellen Bedürfnisse und Annehmlichkeiten und
der ästhetischen Genüsse die Individualität hemmt, indem
diese sich mit dem bloßen passiven Besitz der Erzeugnisse
fremder Arbeit zufrieden gibt, ohne das Bedürfnis oder
den Wunsch nach fernerer eigener, produktiver Tätigkeit
zu empfinden.*
Die äußern Bedingungen, unter denen dieser Punkt erreicht
wird, werden nicht immer genau dieselben sein; ;sie
werden nicht nur nach Alter und Rasse, sondern auch nach
dem Individuum verschieden sein. Ein Marc Aurel war
fähig, sich in seinem Palast aus Gold und Marmor seine
Einfachheit und Männlichkeit so vollkommen zu erhalten,
als wenn er in der Hütte eines Kuhhirten gelebt hätte; wäh-*
Von den andern verderblichen Wirkungen nicht erarbeiteten Reichtums
auf die ihn besitzenden Personen oder Klassen, die Abnahme
menschlicher Teilnahme etc. wollen wir jetzt nicht sprechen; denn obwohl
auch diese Dinge unzweifelhaft indirekt dazu beitragen, eine Gesellschaft
zu zersetzen, so müssen sie dieselbe doch nicht notwendig
und unmittelbar entkräften, und diese Entkräftung ist der Punkt, den wir
augenblicklich ins Auge fassen.
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