Full text: Die Frau und die Arbeit

EINLEITUNG 
I ch muß diesem Buch einige erklärende Worte voraus 
schicken. Sein ursprünglicher Titel lautete: „Gedanken 
über die Frau und die Arbeit“. 
Wie dieser Name besagt, ist es also eine Sammlung von 
Gedanken über einzelne Punkte, die mit der Frauenarbeit Zu 
sammenhängen. 
In früher Jugend begann ich ein Werk über die Frau und 
arbeitete bis vor zwölf Jahren daran. Es berührte naturge 
mäß, wenn auch in unvollständiger Weise, die meisten Fra 
gen, in denen das Geschlecht eine Rolle spielt. 
Ich begann damit, die Verschiedenheiten der Geschlechts 
funktionen in ihren frühesten Erscheinungsformen bei den 
Lebewesen dieser Erde zu zeichnen; nicht nur in der Tierwelt, 
wo mit der Vereinigung zweier amöboider Kügelchen der 
Zeugungsprozeß fast unmerklich beginnt, sondern auch seine 
noch primitiveren Offenbarungen im Pflanzenleben. In den 
ersten drei Kapiteln zeichnete ich, soweit ich es vermochte, 
die geschlechtliche Entwicklung bei den verschiedenen Grup 
pen nicht-menschlicher Lebewesen. Als ich in dieser Rich 
tung weiterforschte, überraschten mich viele bedeutsame 
Tatsachen durch ihre Beziehungen zum ganzen modernen 
Geschlechtsproblem, Tatsachen, wie diese: daß bei der gro 
ßen Mehrzahl der auf der Erde lebenden Arten das Weibchen 
dem Männchen an Größe und Kraft und oft auch an räube 
rischem Instinkt überlegen ist; daß die geschlechtlichen Be 
ziehungen fast jede Form annehmen können, je nachdem die 
Lebensbedingungen variieren; daß selbst imVerhältnis der 
Geschlechter gegenüber ihrer Nachkommenschaft jene Ver 
schiedenheiten, die wir gewöhnlich als unzertrennlich vom 
mütterlichen oder väterlichen Geschlechtswesen annehmen, 
keineswegs inhärent sind. (So kann man Krötenarten be 
obachten, bei denen das Weibchen seine Eier in Vertiefun 
gen auf den Rücken des Männchens legt, wo sie verwahrt 
I Schreiner, Die Frau 
I
	        
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