und ausgebrütet werden, oder manche Seetiere, bei denen
das Männchen die Jungen mit sich trägt und sie in einem
Beutel aus seiner eigenen Körpersubstanz großzieht, und
zahllose andere derartige Beispiele.) Was sich mir aber schon
als Kind aufdrängte, wenn ich allein durch den afrika
nischen Busch wanderte und den ineinander greifenden Tö
nen des Liebessangs der Cock-o-veets * lauschte oder be
obachtete, wie die kleinen Singvögel zusammen ihr Nest
bauen und nicht nur für ihre Jungen, sondern auch für
einander sorgen und einander behüten, war die Tatsache,
die seither alles, was ich über geschlechtliche Dinge
dachte und fühlte, mächtig beeinflußt hat, daß das Ge
schlechtsleben der Vögel bei einigen Arten seine höchste,
schönste, man möchte fast sagen, geistige Entwicklung auf
der Erde erreicht hat: eine Höhe der Entwicklung, zu der
noch keine menschliche Rasse als Ganzes gelangt ist, und
die eine Verwirklichung des höchsten geschlechtlichen
Ideals darstellt, von dem die Menschheit träumt.
Als diese drei Kapitel beendet waren, ging ich daran,
mich, soweit als möglich, mit der Stellung der Frau in den
allerprimitivsten, den unzivilisierten und halbzivilisierten
Gemeinwesen zu befassen. Ich habe von Kindheit an mit
außerordentlichem Interesse die Lage der eingeborenen
afrikanischen Frauen um mich her in ihrem primitiven Ge
sellschaftszustand beobachtet. Mit achtzehn Jahren sprach
ich einmal mit einem Kaffernweib, das noch in unberührt
primitiven Zuständen lebte, und kein mit der Stellung der
Frau zusammenhängendes Erlebnis hat, mit Ausnahme
eines einzigen, einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht
wie dieses Gespräch. Es war eine Frau, die mir, so oft
ich an sie denke, als geniales Wesen erscheint. In einer
Sprache, die beredter und eindringlicher war als alles, was
ich je von weiblichen Lippen vernommen, schilderte sie die
Lage der Frauen ihrer Rasse. Die Arbeit der Frau, das
* Kleine Singvögel, die in Südafrika leben. Anm. d. Übers.
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