Full text : Der Brotwucher

Bon den Hammerbrotmwerken und ihrem Funktionsmandel. 65

hatte man einen Schab gemacht, von dem man fich nie hätte
träumen lafjen. So Hatte der blutige Bölfermord der Partei nicht nur
politifch, fondern auch finanziell einen unerhHörten Dienft erwiefjen. Da
die Geheimdemokratie eine Rechnungslegung perhorreszierte, erfuhren
nur die zum allerengiten Klüngel gehörigen Vertrauten das Srgebniz.
Sin angeblich gemeinnügiges Unternehmen, ohne öffentliche Rednungsfegung,
 ohne demokratijhe Kontrolle ift an fih jHon eine Merkwürdigkeit ;
hier fteigerte fie fih zur Abfurdität, wenn man bedenkt, um welche Summen
e3 fich handelte. Dieje Abjurdität war jogar dem damaligen Obmanne
des Bentralverbandes der Konfumvereine zu arg. Dr. Renner machte
den Verfuch, die Hammerbrotwerke, die der Arbeiterjhaft keinen Nugen
brachten, vielmehr (wie jchon erwähnt, litt ingbejondere die Senofjenfchaft?-Sewegung
 unter den Gefchäftzpraktiken der Werke) nur Schaden {tifteten,
den Konjfumvereinen anzuhängen und jo dem ungejunden Verhältnifje ein
Ende zu bereiten. Er ftieß jedoch weder bei dem Bentralverbande, der
auf das faule Gejhäft gern verzichtete, noch bei der Partei auf Gegenliebe.
 Lebtere Hatte ihre urjprüngliche Abfiht, die Hammerbrotwerke zu
verkaufen (1916), fallen gelafjen; {ie wollte fie behalten, da doch der
Krieg noch längere Zeit fortzuwüten jhien und die ftaatliche Bewirtjchaftung,
 die jo viele Chancen bot, andauerte, Die Schädigung der Genoffenjdhaften
 ließ die Partei gleidhgültig; fie erblicte in den Hammerbrotwerfen
 ein Machtinftrument und eine Finanzquelle, die fie für fi
zu fruftifizieren gedachte, obgleich ihr für rationelle Führung der Sefchäfte
wichtige Borausjegungen fehlten und das Syftem allen demokratijdhen wie
genoffenjchaftlidhen Grundjägen Hohu jprach.”)
Al3 die fozialdemokratifjhe Partei die Verwaltung der Gemeinde
Wien übernahm, Hätten die GHammerbrotwerke Ausficht gehabt, kommunalifiert
 zu werden. ANein man überlegte e8 fich, diejes Unternehmen,
dem das private Leihkapital vorfichtig ablehHnend gegenüberftand, abzuföjen.
 Dh das Verlangen nach Berftadtlidhung im Interefje der Konfumenten
 läge, i{ft zumindejt zweifelhaft. Bom Konjumgenofjenfchaftlichen
Standpunkte find derlei Experimente nicht zu empfehlen; fie find etwas
gar zu — „entHufiaftijh“, wie man die verunglücten Gründungen abenzeuernder
 Araonauten bezeichnet hat, die fih einbildeten, mit Kapita-*)

 €3 Hat vielleicht auch ein perjönlihes Moment mitgejpielt: Man wollte den
Senoffen{dhaften, beziehungsweife dem Berbandsobmann Dr. Renner nicht eine {o große
Machtbefugnis einräumen, wie fie durch Übergabe der Hammerbrotmerke erwachjen wäre,
während das beftehende Syjtem der Partei uneingefjhränkten Einfluß auf die Konfumvereine
 vermittelte.
Raii, Genen den Strom! Heft 1/2.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.