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ablagerungen: die zweite befindet sich auf der Halbinsel Kertsch
(ausschließlich Brauneisenstein). Aber das wichtigste Bisensteinlager
ist eine Gegend etwa 450 Werst in westlicher Richtung von dem
Kohlenbecken, auf der Grenze zwischen dem Gouvernement Cherson
und Jekaterinoslaw — der sog. Krivoj-Bog-Fundort, wo die Eisen
steinlager ungefähr auf 90 Werst nach dem Flusse Saxagan sich
vorstrecken 1 . Hier finden sich großartige Lager von Eisenerzen
vorzüglicher Qualität in drei Sorten: Eisenglanz, Magneteisenstein
und Roteisenstein. Der letzte Ort ist aber erst relativ spät entdeckt
worden.
In dem südrussischen Gebiete gibt es außerdem die für die
Eisengewinnung sehr wichtigen Zusätze und Hilfsstoffe, wie Kalk,
feuerfesten Ton, Mangan, Dolomit ziemlich reichlich.
Schon alle diese Naturschätze mußten über kurz oder lang die
Entstehung der Eisenindustrie in Südrußland hervorrufen.
Selbstverständlich spielten bei dem Bau von Eisenwerken nicht
nur die erwähnte Erstreckung der Hauptstoffe — des Eisenerzes
und der Steinkohle — eine Rolle, sondern auch andere Faktoren und
insbesondere die Transportverhältnisse, Beschaffung der Arbeitskräfte
usw. So stellte hier in früheren Zeiten der Don mit seinen Neben
flüssen allein einen bequemen Weg dar, und man bemühte sich,
gleich die ersten Werke möglichst in der nächsten Nähe dieses
Flusses zu bauen. Später spielten auch die Eisenbahnen in Süd
rußland eine wichtige Rolle.
2. Die Gründung der ersten staatlichen Eisenwerke.
Die ersten Angaben über die Eisengewinnung in Südrußland
linden sich noch bei Herodot; er berichtet, daß die Eisengewinnung
bei den sog. skythischen Völkern bekannt war. Nach seinen Angaben
wurde das Eisen von den Skythen durch die Sandwaschung an einem
skythischen Flusse gewonnen. Einige russische Autoren haben darauf
die Hypothese aufgestellt, daß dieses Eisen aus dem Sande des
Inguletz-Flusses neben dem jetzigen Krivoj-Rog gewonnen worden
sei, in welcher Gegend später Spuren von alten Gruben und von
Eisenverhüttung gefunden worden waren. Weitere Nachrichten sagen,
daß im früheren Mittelalter hier die Genuesen sich mit Eisenförderung
beschäftigt haben. Dann bleiben diese Eisenerzfunde infolge der
verschiedenen geschichtlichen Ereignisse lange Zeit vollständig brach
liegen. Jahrhundertelang bildeten die südrussischen Steppen ein
beinahe unbesiedeltes Land. Erst mit der Konsolidation des russischen
Reiches begann die allmähliche Kolonisation Südrußlands von Norden
1 Man berechnet hier die Menge nur der untersuchten Eisenerzlagerungen
auf 5 Milliarden Pud.